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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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286
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derselben, worin wahrscheinlich der Grund liegt, warum die durch beyde Nervenpaare dem gernreinschaftlichen Sensorium mitgetheilte» Bewegungen einander nicht verwirren können. In derletzterwähnten Schrift von Sömmerring werden die Hirnhöleu als die Orte, wo sich alle zumGehirne gehenden Nerven mehr oder weniger deutlich endigen, und eine in denselben enthaltenewäßrige Flüssigkeit als der Sitz des allgemeinen Sensorium angesehen. Nun versichern aber vervschiedenc Anatomen (in Braunschweig , und soviel ich mich erinnere, noch andere), gefunden zuhaben, daß im gesunden Zustande kein Wasser in den Hirnhöien befindlich sey. Wenn sich diesesaber auch so verhält, so sehe ich nicht ein, warum ein in denselben enthaltener feuchter Dunst,oder eine gasförmige Flüssigkeit nicht sollte eben die Geschäfte verrichten können, die dort einerwäßrigen Flüssigkeit zugeschrieben werden, so daß also dadurch dievon Sömmerring aufgestelltenIdeen, welchen auch Kant in einem beygefügte« Schreiben beystimmt, wohl im Ganze« nichtmöchten widerlegt werden. Vielleicht könnten auch wohl die feuchten Wände der HirnhLlcn eineräußerst feinen und würkfsmen inponderabley Flüssigkeit, die das allgemeine Sensorium enthielte,und zum Theil auch durch das übrige Nervensystem verbreitet wäre, zum Sitze dienen, ungefährso, wie d.ie Elektricität die Oberfläche eines Leiters»

242.

Außer dieser gewöhnlichen Art, den vermittelst der Luft zu dem' Ohre gelangendenSchall zu hören, kann ein Schall mit allen seinen Amculationen und Modificatione» auchohne Mitwürkung der Luft eben so deutlich und stark, und öfters noch stärker durch manchefesten Theile des Kopfes den Gehörnerven mitgetheilt und von Liesen empfunden,werden, wenndiese festen Theile von dem schallenden Körper unmittelbar berührt werden, oder mit diesemdurch eine Strecke von fester oder tropfbar flüssiger Materie so in Verbindung stehen, daßeine! gehörige Mittheilung der Erschütterung erfolgen kann. Mehreres ist darüber im vorigenTheile gesagt worden, indem sich dieses von dem nicht füglich trennen ließ, was dort überdie Fähigkeit fester und tropfbarflüssiger Materien, den Schall fortzuleiten, zu sagen war.

Pe rolle hat im Journal d.e physique Nov. 1783* Untersuchungen über die Theiledes Kopfes, welche zur Fortpflanzung deö Schalles am geschicktesten sind, bekannt gemacht,von welchen sich auch im Lichtrnbergischen Magazin für das Neuste aus der Physik und Natur-geschichte, 2. B. Z. St. S. 47. Nachricht findet. Die Versuche sind vermittelst einer beyverstopften Ohren an verschiedene Theile gehaltenen Taschenuhr angestellt worden; bey einigenvon mir angestellten Versuchen fand ich dieselben Resultate. Die Theile, wo vieles Fleischsaß, waren weniger empfindlich für den Schall, als diejenigen, wo die Knochen nicht so tieflagen. Die fleischichen und knorplichcn Theile der Nase gaben gar kerne Anzeige von Empfind-