293
bey einer Kanonenkugel als ein Sausen, und bey einer Flintenkugek als ein Pfeifen oderZischen bemerkbar ist, und wobey sich auch meistens die von der Verschiedenheit der Größedes fortgehenden Körpers abhängende Tiefe oder Höhe des Tones einigermaßen bestimmenlaßt. Eme solche Kugel würkt nähmlich außer einer Verdrängung der in der Richtung ihrerBahn befindlichen Lufttheile und einem Wiedereindringen der Luft in den zurückgelassenen Raumauch auf die seitwärts befindlichen Lufttheile durch ihre Reibung^ ungefähr so, wie ein Vio-linbogen die damit gestrichenen Körper, oder wie an einer Orgelpfeife die eingeblasene unddurch eine Queröffnung wieder ausgehende Lust die übrige Luft, welche sich in derselbenbefindet, durch ihr Vorbeystreichen in zitternde Bewegung setzt. Etwas ähnliches geschiehtauch, wenn man mit einem Stäbe durch die Luft schnell hauet, wo die nur sehr unvollkom-men zu bestimmende Höhe und Tiefe des Tones, soviel ich bey einigen an parallelepipedischcnund cylindrischen Stäben angestellten Versuchen bemerken konnte, hauptsächlich von der Breiteder Flache abhängt, von welcher die Luft durchschnitten wird.
244.
Bey zwey oder mehreren zugleich vorhandenen Tönen empfindet das Gehör (§. 9.) dieverhältnißmaßigen Geschwindigkeiten, mit welchen die Schwingungen geschehen,wobey sich das Zusammentreffen der Schwingungen nach §.136 —188. bey hinlänglicher Stilleund Aufmerksamkeit durch das Gefühl eines mit den Zeiträumen des Zusammentreffens über.einkommenden schwach jedoch öfters sehr deutlich mitklingenden tiefern Tones zu erkennen giebt.Alle Würkung der Töne auf uns beruht darauf, daß (wie im zweyten Theile von Herde r'sKalligone S. 154. sehr richtig gesagt wird) wir uns^nach Verhältuiffen, d. i. angenehm be-wegt oder geschwungen fühlen. Wir empfinden nähmlich hier die Zeitverhältmsse successiverBewegungen, so wie durch das Gesicht die Verhältnisse coexistirender Gegenstände im Raume;wir rechnen dabey nicht selbst (nähmlich so, daß wir uns etwa um die Zahlen, durch welchesich die Zeit- oder Raumverhältnisse ausdrücken lassen, bekümmerten), sondern die Naturrechnet gewissermaßen für uns, und die Resultate der unter sich harmonirenden (d. i. entwedersehr einfachen, oder bey mehrerer Mannigfaltigkeit doch auf etwas einfacheres sich beziehenden)Verhältnisse werden von uns mit Wohlgefallen wahrgenommen, und von Künstlern zweckmäßigverarbeitet, wie es unstreitig auch Leibnitz in der §. 9. angeführten Stelle hat wollenverstanden wissen. Die einfachsten Verhältnisse, oder die consonirenden sind uns für sich ange.nehm, sie würden aber, wenn man von ihnen allein wollte Gebrauch machen, uns durch ihre