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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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Einförmigkeit ermüden, man findet also auch an weniger einfachen, oder an dkssonirendenVerhältnissen Gefallen, wenn sie auf etwas einfacheres (nähmlich auf die zum Grunde lie-gende Tonleiter, und auf die vorher und nachher zu hörenden Töne) Beziehung haben, unvzu einem einfachern Verhältnisse übergehen. In der strengern Art der Composition ist auchdieses noch nicht hinlänglich, sondern es wird erfordert, daß eine Dissonanz auch vorbereitet,d. i. erst als Consonanz vorhanden gewesen sey, und durch das Eintreten eines neuen Tonesim Basse, oder in einer andern Stimme zur Dissonanz werde, und sodann erst aufgelösetwerde, d. i. in ein gegen den neueingetretenen Ton confonirendes Verhältniß nur um eineStufe fortschreite.

Daß die consonirenden Verhältnisse, welche in den Zahlen i bis 6 und deren Ver-doppelungen enthalten sind, für sich dem Gehöre gefallen, ist wohl als allgemein anzunehmen,hingegen in Ansehung des mehreren oder mindern Wohlgefallens an weniger einfachen Ver-hältnissen, wie auch an mehrstimmigen Compositionen, wo jede Stimme ihren eigenen Ganghat, kommt es darauf an, ob der Hörende die dazu erforderliche Receptivität hat, welche ihmentweder von der Natur verliehen, oder durch Anhören mehrerer nicht gar zu einfacher Tow-stücke, und durch musikalisches Studium erworben seyn kann. So wird z. B. der Kennerdurch manches fugirte Chor (etwa von Händel oder von Fasch) entzückt werden, welches aufmanchen Andern, der nicht im Stande ist, den Gang der verschiedenen Stimmen, und derenUebereinstimmung zu einem harmonischen Ganzen zu fassen, entweder gar keine, oder vielmehreine unangenehme Würkung thun wird.

i. Anm. Die von L. Euler in seinem tensam. nov. theor. Mus. angegebenen Grade der Anrnehmlichkeit der Tonverhältnisse werden meistens nicht von der Erfahrung bestätigt.

a. Anm. Ueber das Wohlgefallen an Confonanzen und Dissonanzen sagt des Carres sehr gut inepist. ni r inter objecta sensus illud non animo gratissimum est, qnod facile sensu percitpitur, neque etiam, quod difficillime, sed quod non tam facile, ut naturale desiderium,quo sensus feruntur in objecta, plane non impleat, neque etiam tam difficulter, ut sensusfatiget.

245.

©mtj kleine Abweichungen von der Genauigkeit der Tonverhalknisseempsindet das Gehör nicht, und man glaubt allemahl bey Anhörung eines Verhältnißes,welches von einem einfachen nur sehr wenig verschieden ist, das einfachere Verhältniß zu hören,worüber schon in §. 38, in der 2ten Anmerkung zu §. 40, wie auch in §.26. und der dazu