Buch 
Die Entdeckung der Differentialrechnung durch Leibniz ... / dargestellt von C. J. Gerhardt
Entstehung
Seite
5
JPEG-Download
 

haben ein Verdacht, der wenn auch nur leise angedeutet, hier undda immer wieder auftaucht noch niemals gründlich widerlegt wordenist. Demnach ist es keineswegs die Absicht, den alten Hader von neuemzu beginnen was ausdrücklich ausgesprochen sein mag sondernwir meinen den Manen Leibnizens es schuldig zu sein, unsern grossenLandsmann von solch ungerechter Beschuldigung vollständig zu befreien.

Dies kann auf zwiefache Weise geschehen: indirekt durch die voll-ständige Veröffentlichung der Correspondenz zwischen Leibniz und Ol­ denburg ; denn da Leibniz und Newton niemals in persönliche Be-rührung gekommen, so konnte nur auf diesem Wege Leibniz über dieResultate, die Newton gefunden, in Kenntniss gesetzt werden. Einzweiter, bei weitem schwierigerer Weg zu einer gründlichen RechtfertigungLeibnizens war eine genaue Durchsicht der von ihm hinterlassenenmathematischen Manuscripte, die in der Königlichen Bibliothek zu Han­ nover in grosser Vollständigkeit aufbewahrt werden. Durch die hoheFürsorge Sr. Excellenz des Ministers der geistlichen, Unterrichts- undMedicinal - Angelegenheiten, Herrn Dr. Eichhorn, so wie durch diepreiswürdige Munificenz der Königlichen Akademie der Wissenschaften inBerlin zu einem längern Aufenthalt in Hannover ausgerüstet und durchdie ausgezeichnete Liberalität der Königlichen Bibliothekbehörde daselbstauf das wünschenswertheste gefördert, wurde es mir möglich, die Leib-

nizischen Manuscripte mathematischen Inhalts einer sorgfältigen Revi-

«

sion zu unterwerfen. Die nach mehrjähriger, freilich oft unterbroche-ner Arbeit gewonnenen Resultate über den fraglichen Gegenstand legeich hier den Männern der Wissenschaft zur Beurtheilung vor.

Im Anhänge habe ich mehrere bisher ungedruckte Manuscripteals Beläge meiner Darstellung über die Entdeckung der Differentialrech-nung durch Leibniz mitgetheilt. Sie sind diplomatisch genau in durch-aus unveränderter Gestalt wiedergegeben. Bei der Auswahl derselbenunter der grossen Anzahl, die in die Zeit von 1675 bis 1677 fielen, ha-ben mich namentlich zwei Gesichtspunkte geleitet: einmal dass auf dem