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Theorie der Höfe, Nebensonnen und verwandter Phänomene mit Versuchen zur Bestätigung derselben / von Joseph Fraunhofer
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2 Theorie der Höfe, Nebensonnen und verwandter Phänomene

Versuche, welche sich darauf beziehen, deu Grad der Wahr-scheinlichkeit zu erhöhen.

Einer genügenden Erklärung mufs eine genaue Beschreibungder Phänomene vorhergehen. Ich glaube diese Erscheinungennicht besser beschreiben zu können, als indem ich die interes-santesten der mir bekannten Beobachtungen verschiedener Natur-forscher sammele. Damit kein anderer Sinn in die Beobachtungengelegt werden könne, als der wie ihn die Beobachter gaben,werde ich die interessantesten Theile der Beschreibungen fastwörtlich wieder geben.

Beobachtungen von Höfen und Nebensonnen.

Wenn die Sonne oder der Mond von einem Hofe umgebengesehen wird, so scheint der Himmel gewöhnlich schwach mitDünsten, oder einem dünnen durchsichtigen Gewölk, überzogen,welches manchmal auch ungleichförmig ist. Sind die Erschei-nungen vollkommen, d. i. werden die Ringe mit Regenbogen-farben gesehen, so bemerkt man bey verschiedenen Höfen, wieuns die Beobachtungen zeigen werden, dafs besonders zweyerleyArten derselben unterschieden werden können; nämlich solche,die aus drey oder auch mehreren konzentrischen Farben-ringen bestehen, welche unter sich und mit dem leuchtenden-Körper Zusammenhängen, d. i. sich dicht anschliefsen, und beywelchen die rothe Farbe jedes Ringes nach aufsen, von demleuchtenden Körper ab, gekehrt ist. Eine zweite Art Höfe istdie, welche vielmal nur aus einem einzelnen farbigen oder auchblos weifsen konzentrischen Kreise besteht, der von dem leuch-tenden Körper weit absteht, und dessen rothe Farbe diesemzugekehrt ist. In diesem Kreise werden oft auch Nebensonnenoder Nebenmonde gesehen. Ich werde die ersteren, bey welchendie rothe. Farbe nach aufsen liegt, und deren Farbenringe untersich und mit dem leuchtenden Körper Zusammenhängen, Höfekleiner Art nennen, um sie von den anderen, deren rothe