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Theorie der Höfe, Nebensonnen und verwandter Phänomene mit Versuchen zur Bestätigung derselben / von Joseph Fraunhofer
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mit Versuchen zur Bestätigung derselben. 3

Färbe dem leuchtenden Körper zugeh ehrt ist, und welche weitvon ihm abstehen, die ich Höfe grofser Art nennen werde,zu unterscheiden. Mau hat oft bey Höfen grofser Art nocheinen zweyteu schwächeren Fnrhenriug, in doppelt so grofsenAbstand'von dem leuchtenden Körper gesehen, welchen ich denzweiten Hof grofser Art nennen will.

Von den mir bekannten Beobachtungen der Höfe undNebensonnen werde ich nur diejenigen anführen, durch welchewir mit der Gröfse der Ringe, der Ordnung der Farben, oderanderen interessanten Eigenheiten, genau bekannt werden. Ichbrauche nicht zu erinnern, dafs diejenigen Höfe als am voll-kommensten gebildet zu betrachten sind, bey welchen die Regen-bogenfarben gut erkannt werden.

Eines der vollkommensten Phänomene von Höfen und Ne-bensonnen ist das, welches Hevel im Jahre 1661 den 20 sten Fe-bruar in Danzig beobachtet hatte A).Um 11 Uhr Morgens, wodie Sonne nahe am Meridian stand, sagt dieser Naturforscher,waren bey anscheinend heiterem Himmel, sieben Sonnen zusehen j sie waren zum Theil weifs, zum Theil farbig, mit einigenlangen von der Sonne abwärts gekehrten Schweifen, und standenin weifsen Kreuzen, w r elche durch verschiedene Kreise gebildetwurden. Die wahre Sonne ^/, Tab. 1. Fig. 1 , in einer Höhevon ohngefähr 25°, umgab ein beinahe vollständiger Kreis GB 1 Cvon 45 0 Durchmesser, dessen unterer Rand kaum 2 0 30' überden Horizont erhaben war, mit verschiedenen dem Regenbogenähnlichen Farben, nämlich Purpur, Roth und Gelb. Zu beidenSeiten, nach Ost und West, in B und C, wmrden zw r ey Neben-sonnen gesehen, die vorzüglich gegen die Sonne zu vielfarbigund intensiv waren, und in einen weifsen spitzigen Schweif aus*liefen. Ein anderer gröfserer Kreis Y XH /^Z , von ungefähr90 0 Durchmesser, umgab den Kreis GBIC und die Sonne,und zog sich bis zum Horizonte hinab. In den oberen Theil

*) Hugenii opera relitjlia

V. II-' p. 38.

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