Buch 
Deutsches Eisenbahn-Buch : ein Taschenbuch für Reisende, Aktienbesitzer, Eisenbahnbeamte, Gasthalter, Kauf- und Geschäftsleute aller Art... / Fr. Wilh. von Reden
Entstehung
Seite
LII
JPEG-Download
 

LII

IV. Bändel mit Eisenbahn - Aktien,

so würde man doch gewöhnlich nicht mehr übrig behalten,als man an den Zinsen des verwendeten Kapitals verlorenhätte. Ebenso fallen die Aktien gewöhnlich, wenn sich einEinzahlungstermin nähert, und steigen nach demselben wieder,und hierbei wäre schon eher etwas zu gewinnen, denn dergeringste Stand (unmittelbar vor der Einzahlung) und der hö-here (unmittelbar nach der Einzahlung) sind nur wenige Tag®aus einander; allein wenn Aktien mehrmals eine solche Bewe-gung gemacht haben, so erregt dies Aufmerksamkeit, dieSpekulation auf diese Bewegung wird allgemein und um soleichter nachtheilig, als sich dann vor der Einzahlung vieleKäufer und nach derselben viele Verkäufer finden (wie wirdies namentlich im Frühling 1845 mehrfach sahen). Das Bör-senspiel hat überhaupt ein weites Feld, und dessen Kultur istkein technischer Gegenstand, wohl aber ist es eine Aufgabefür die Technik, das, was obender wahre Werth einerAktie im höheren Sinne genannt wurde, zu beurtheilen-Dieses haben auch Bankiers, Kaufleute und andere Börsenmän-ner und Papierspekulanten von Anfang an eingesehen, undes konnte deshalb anfänglich der Eisenbahnaktienhandel anden meisten Börsen keinen Raum gewinnen. Erst später ha-ben die grossen, von scheinbar ganz unbedeutenden Personenin diesen Aktien gemachten höchst vorlheilhaften Geschäftedie Aufmerksamkeit aller Börsen auf sich gezogen, und sieverdrängten jetzt fast alle andern Spekulationen. Man hatbemerkt, dass sich die Börsenkunstgriffe auf Eisenbahnakliennoch mehr als auf andere Papiere anwenden lassen, und hatsolche auch im reichsten Maasse in Anwendung gebracht,nicht ohne bedeutenden Schaden für manchen ehrlichen Mann,der sich dadurch hat täuschen lassen. Um den wahren innernWerth der Aktien irgend einer Bahn richtig beurtheilen zukönnen, muss man eine richtige Ansicht von ihrer Rentabili-tät haben, um aber diese zu gewinnen, sind nicht nur richtigeAnsichten von der künftigen Frequenz der betreffenden Eisen-bahn, sondern auch Kenntnisse von der Richtigkeit des Pro-jekts und von der zu erwartenden Vollkommenheit in seinerAusführung nöthig, wozu eine richtige Beurtheilung der Pläneund Anschläge, so wie der Talente und Fähigkeiten der Per-sonen, welche die Ausführung leiten, gehört. Man musssich überzeugt haben, dass die Risse den Oertlichkeiten ent-sprechend so zweckmässig gemacht sind, dass sie ein günsti-ges Resultat erwarten lassen, dass die Kostenanschläge aus-reichend seien, dass endlich bei den Personen, welche die