Band 
Erster Theil.
Seite
364
JPEG-Download
 

364

Belgien.

reine Französische. In der Bildung ist das Volk, besonders der Wal-lone, noch weit zurück; erst in neueren Zeiten ist für die höherenSchulanstalten gut gesorgt; leider liegt Alles noch zu sehr in denFesseln einer bigotten Geistlichkeit, die allein der Denksceiheit sich eifrig»Übersetzt. Es giebt: 3 Universitäten, 2 Athenäen und verschiedene an-dere höhere Schulen? gelehrte Vereine, Bibliotheken und wissenschaftlicheSammlungen, jedoch meistentheils nur in den Hauptstädten der Pro-vinzen; ein reges wissenschaftliches Leben wird gänzlich vermißt. Be-rühmt sind die Maler deS XVI. und XVII. Jahrh., jetzt hat aberauch die Kunst keinen! ausgezeichneten Namen auszuweisen.

Belgien besteht aus den ehemaligen Spanischen oder Oster,reichlichen Niederlanden (vergl. die Einleitung zu den Nieder-landen), zu denen das Bisthum Lüttich und andere kleine ehemaligeDeutsche Reichsgebiete hinzugekommen sind. Nachdem in Folge derRevolution (Septbr. 1830) der Belgische Nationalcongreß (18. Nov.

1830) die Unabhängigkeit Belgiens ausgesprochen hatte, wurde (Febr.

1831) als vorläufiges Oberhaupt des Staats ein Regent (Surletde Chokier) gewählt, dem bald darauf (4.Jun. 1831) der PrinzLeopold von Sachsen Kobürg, geboren 1790, als König folgte,der bereits von den Großmächten Europa's anerkannt ist. Die Ver-fassung (3. März 1831) ist der Niederländischen ähnlich; sie ist con-stitutionel monarchisch. Der König theilt das Recht der Gesetzgebungmit den Reichsständen, die aus zwei Kammern bestehen. Die ersteKammer, der Senat, besteht aus 42 Mitgliedern; die zweite Kammeraus 85 Repräsentanten. *) Eintheilung des Landes in 8 Provinzen,die in Bezirke und Eantons zerfallen.

1) Südbrabant — 60 Q. M. 520,000 E. Völlige Ebene, nurin SO- der Anfang der südlichen Gebirge; fruchtbarer Boden- DieDyle nimmt hier die Deiner auf; auch die Senne und Den derberühren die Provinz. Durch zwei Kanäle stehen Brüssel und Löwenmit Antwerpen in Verbindung. — Die E. reden in N. Flämisch,in S. Wallonisch; aber in den Städten ist auch Französischsehr verbreitet. Vorzüglicher Ackerbau; nicht unbedeutende Wal-dungen; in S. sind Steinbrüche; gute Bienenzucht. Blü-hende Fabriken, die berühmte Spitzen, Hüte, Tücher, Leder,Tapeten, Papier u. a. Waaren liefern.

st Brüssel an der Seime, 1831 — 98,000 E. Die schönste Stadt desReichs mit vielen ausgezeichneten Gebäuden. Wir bemerken den großenMarkt mit dem Stadthause, den herrliche» Königsmarkt (place ro^ale),den Münzplatz mit dem großen Schauspielhause, das königliche Schloß, die-sem gegenüber den reizenden Park mit dem kleinen Schauspielhause, umge-

*) Die Zahl der Senatoren und Repräsentanten Ist folgendermaßen ver-theilt: Ostflandern — 18 Repr. 9 Senat., Westflandern — I5Repr.8 Senat., Brabant — 14 Repr. 7 Senat., Antwerpen — 9 Repr.4 Senat., Hennegau — 15 Repr. 7 Senat., Lüttich ^ 9 Repr. 4 Se-nat., Ramur 5 Repr. 3 Senat. (Limburg und Luxcmberg sind nochnicht bestimmt.)