Band 
Erster Theil.
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Frankreich.

Herrschaft des Regenten entrissen war und nur noch durch das schwa-sche Lehnsband von ihm abhing, ja die Herzoge von Burgund,Normandic, Guyenne, dieGrafen von Champagne, Ver-mandois u. a. waren mächtiger als der König selbst. Einer dersel-ben, Hugo Eapet, Herzog von Jslc de France, schwang sich(981) auf den Thron, und sein Stamm regiert noch jetzt. Die Va-sallenstaaten wurden seitdem nach und nach durch Lehnrecht, Erbschaftoder Gewalt mit den Kronprovinzen vereinigt. Unter dem Hause Va-lois (von 1328 bis 1589) begann ein schwerer Krieg mit den Köni-gen von England, die als Vasallen des Reichs große Provinzen Frank-reichs besaßen, und verwüstete das Land über 100 Jahre lang. Jedochstärkte sich die Macht der Könige allmälig, neue Provinzen wurdenmit der Krone vereinigt und die Engländer vertrieben; nur Ealaisblieb ihnen bis 1558, und die Normannischen Inseln gehören ihnennoch jetzt. Unter dcn Bourbons (1589 bis 1830), seit HeinrichIV.(1589 bis 1610), stieg Frankreich bis zu seinem jetzigen Umfange.Unumschränkt war die Macht der Könige geworden und LudwigXIV.(1643 bis 1715) stand fast als Gebieter Europas da. Unter ihmsorgte der Minister Colbert besonders für Colonicn, Handel und Fa-briken, die sich seit dieser Zeit zu ihrer jetzigen Blüthe hoben, aber fastnie endende Kriege und Verschwendung eines üppigen Hofes unter ihmund seinem Nachfolger Ludwig XV. (1715 bis 1774) stürzten dasLand in eine ungeheure Schuldenlast, die nur der Bürger, und Bauertragen mußte; daher die Revolution (1789), die Frankreich durchalle Schrecken der Anarchie und des Wechsels der Verfassung führte(Hinrichtung Ludwigs XVI., 1793, 21. Jan.), bis Napoleon Bo-naparte den Sturm beschwichtigte, und seit 1799, 13. Dccbr. alsConsul, seit 1804, 18. Mai als Kaiser, das Reich zu einem Um-fange und Einflüsse erweiterte, den es seit Karl dem Großen nicht ge-habt hatte. Es reichte von der Ostsee bis zur Tiber und umfaßte ei-nen Raum von mehr als 13,500 Q. M. mit 42Mill. E-, worunter28Mill. Franzosen, Mill. Italiener, 4H Mill. Niederländer, 4 Mill.Deutsche, in 130 Departements. Dazu kamen noch die völlig abhän-gigen Italienischen, Jllyrischen und Deutschen Provinzen — 2500 Q.M.

8 Mill. E. und die verbündeten Staaten, Spanien, Neapel, Schweiz,der Rheinbund, Warschau ic. — 18,800 Q. M. mit 35 Mill. E. Na-poleon wurde 1814, 3. April gestürzt und die beiden Pariser Friedens-schlüsse 1814 und 1815 führten mit den Bourbons das Land aufseine alte Gränze von 1789 mit geringen Veränderungen zurück *),gaben ihm aber zugleich in der Charte eine Verfassung, durch welchedie alte durch die Revolution schon vernichtete Macht des AdclS undder Geistlichkeit in Schranken gehalten, die königliche Gewalt gemil-dert und die gleichen Rechte aller Staatsbürger gesichert werden soll-ten.

*) Es wurden das Herzogthum Bouillon, die Festungen Philippeville, Ma»rienburg, Saarlouis und Landau und zwei kleine Distrikte abgetreten,wogegen Frankreich das ehemals päpstliche Avignon und einige DeutscheReichsgebiete innerhalb seiner alten LandeSgränzen behielt.