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Th. 2ecrctan.
teilung von Bargeld oder der Abgabe von Gutscheinen für den Bezugvon Brennmaterial an Kantonsfremde, mit den Krippen für Kinder imAlter von 3 bis 6 Jahren, mit der Handarbeitsschnle für Mädchen, mitder Erziehung armer aufs Land gegebener Kinder oder solcher, die manbei Lehrern oder Handwerkern untergebracht hat, mit dem Dienstboten-spital, der Prämienvcrteilnng an Dienstboten, die lange und treu wo-möglich in der nämlichen Familie dienen, und endlich mit der Verteilungvon Suppeuportionen zum Preise von 3 Rappen.
Wollen wir eine kurze Übersicht von der Entwicklung der Philanthropiein der Schweiz während des 19. Jahrhunderts gewinnen, so thun wirgut, den Lebenslaus des Kindes von seiner Wiege an zu betrachten. DasKindesalter ist es hauptsächlich, welches znm Gewähren von Wohlthatenauffordert - denn das Kind trägt keine Schuld an dem elenden, hülflosenZustande, in welchem es sich befindet. Mögen auch die Ansichten überdie Form der zu gewährenden Beihülfe anseinandergehen, so wird dochniemand gegen die Barmherzigkeit auftreten wollen, welche man demKinde erweist. Seine Leiden hat es nicht verschuldet, es ist vielmehr dasOpfer der Laster oder des Unglücks seiner Eltern. Diese Art von Bei-hülfe gehört übrigens weit mehr, wie sehr richtig gesagt wird, in dasGebiet der Gesellschafts-Hygieine als in das der reinen Barmherzigkeit.Beschäftigt man sich mit dem Kinde, indem man seine ersten Schritte insLeben hinein unterstützt und in den Kreis gesunder Gedanken führt,fo verrichtet man ein Werk moralischer Vorsorge. Pestalozzis Beispielund seine Erfolge waren es hauptsächlich, welche in der Schweiz dieÜberzeugung verbreiteten, daß das geistige Elend der unteren Gesell-schaftsschichten nur durch eine bessere Erziehung gehoben werden kann,und daß es Pflicht der günstiger gestellten Klassen ist, diesem Gedankeneine ernste Aufmerksamkeit zu weihen. Freilich erntete Pestalozzi selbstnur Spott und Kränkungen, aber enthusiastische Männer bemächtigtensich seiner gewaltigen Ideen und verwirklichten sie teilweise noch zu seinenLebzeiten. Das schöpferische Talent Fellenbergs begründete 1804 dieArmenschule in Hofwyl, und unter seiner Mitwirkung errichtete zwölfJahre später Esther von der Linth die Linthkolonie, der dann andereähnliche Unternehmungen folgten. Die Stadt Bern befolgte das gegebeneBeispiel- 1825 cnstand in Rehhag bei Bümpliz die Erziehungsanstalt