Die Ilationalfeste.
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Die Schützenfeste.
Das vornehmste schweizerische Fest ist das eidgenössische Schützenfest.Am sogenannten offiziellen Tage, am Donnerstag, begiebt sich derBundesrat im Verein mit der Abordnung der Bundesversammlung undden bei der Schweiz beglaubigten Vertretern der auswärtigen Mächte infeierlichem Aufzug nach dem Festplatz. An der Mittagstafel halten derBundespräsident, die Präsidenten der eidgenössischen Räte und der Doyendes diplomatischen Corps die Festreden^ dadurch erhält das Fest dieamtliche Weihe einer Nationalfeier. An den eidgenössischen Schützenfestensind alle großen Fragen und Ereignisse besprochen worden, die das Landim 19. Jahrhundert bewegten.
Das schweizerische Schützenfest ist das Sinnbild nationaler Einheitnicht nur, sondern auch der brüderlichen Einheit, schrieb Jeremias Gott-helf dem eidgenössischen Freischießen 1830 ins Stammbuch, und Gottfried Keller widmete den eidgenössischen Schützen- und Süngerfesteu manchkerniges Gedicht.
Die erste Bedeutung der Schützenfeste liegt in der Pflege des Wehr-wesens, heutzutage namentlich in den Übungen mit der Kriegswaffe.
Der Ursprung der Schützengesellschaften ist in den Städten zu suchen,namentlich bei den Zünften. Aus der bernischen Stadtrechnung von1375 erfahren wir, daß damals schon eine Schützengesellschaft bestand, dieregelmäßige Übungen abhielt, da den Schützen allwöchentlich 5 Schillingausgerichtet wurden. In der Rechnung für 1378 finden sich 5 Pfundfür die Schützen, die zu Solothurn und anderswo um den „Blumen"geschossen haben.
Es kam die Blütezeit der eidgenössischen Freischießen oder Mayen ,die mit dem Freischießen von Surfte 1683 ihren Abschluß fand. Derpolitische Niedergang brachte auch den Verfall der Schützenfeste mit sich,es gab keine großen Verbrüderungstage mehr.
Erst nachdem die Hochfluten der französischen Revolution sich inunserem Lande verlausen hatten, wachte die Erinnerung an die nationalenFreischießen der Väter wieder auf. Der neue Stutzer entflammte derEidgenossen althergebrachte Liehe zu den Waffen, in den Städten undauf den Dörfern bildeten sich Schützengesellschaften, und als die schweizerischenwissenschaftlichen und gemeinnützigen Vereine gegründet wurden, entfaltete
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