Band 
[Dritter Band.]
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Ld. Rod.

Gewöhnliche Menschen treiben es nicht anders wie die Dichter.Der einfachste lind entscheidendste Beweis dafür ist wähl die Thatsache,daß nicht alle Ferienreisenden in die Berge gehen. Ich glaube sogar,daß die meisten das Meer zur Erholung wählen, und zwar sichtlich ausdem Grunde, weil sie es vorziehen. Wahrscheinlich ist jeder von unseinmal Leuten in unsern Alpendörfern begegnet, die es lebhaft be-dauerten, sich dort zu befinden. Frauen habe ich dort schon aus Langer-weile weinen sehen, wahrend die Männer beim schönsten Wetter, ausMißvergnügen an der Landschaft, im Gasthanse blieben und Kartenspielten. Viele Menschen bewundern weder Berg noch Meer, sondernsind in der einfachsteil Landgegend hoch zufrieden- sie kennen nichtsLieblicheres für das Auge als eine Baumgruppe am Rande einesFlusses. Dafür dürfen wir ihnen doch unsere Achtung und Freund-schaft bewahren, wenn wir auch mehr Zuneigung für jene besitzen, dieunsern Geschmack teilen. Zwischen Menschen giebt es kein stärkeresVerbindungsglied als eine gemeinsame Leidenschaft, lind dies zweifellosaus dem Grunde, weil sie die geheime Verwandtschaft aufdeckt, die manim gewöhnlichen Verlaufe des Lebens übersieht. So kommt es, daßgewisse Gestalten unauflöslich mit bestimmten Örtlichkeiten verbundensind, und daß uns Wesen, die wir sonst gar nicht kennen, deswegen intreuer Erinnerung bleiben, weil wir sie inmitten einer Landschaft alsden Widerschein unserer eigenen Eindrücke sahen.

In der zweiten Hälfte des vorigen sowohl wie dieses Jahrhundertsfand der alpine Sinn einen schönen und kräftigen Ausdruck im Schrift-tum. Und weil er sich so beredsam in Dichtwerken zeigte, verbreitete,vertiefte, verallgemeinerte ihn die Litteratur. Es sei nur auf dieMeisterwerke, auf den Wilhelm Tell von Schiller, den Manfredvon Byron und den Jocelyn von Lamartine neben anderen noch ver-wiesen. Wir wollen nicht auf unsere Litteratur zurückgreifen, die Phi-lipp Gvdet iil dem vorliegenden Sammelwerke bereits schilderte, sondernlediglich daran erinnern, daß der alpine Sinn das beste in ihr that.Es giebt wohl kaum einen schweizerischen Schriftsteller, der nicht, wenig-stens in einigen Augenblicken seines Lebens, voll ihm durchdrungen war.Die abstraktesten selbst kannten ihn, und mau könnte die Spuren bisin das Werk unseres großen Charles Secrstan nachweisen, der ein und