Band 
Zweiter Band.
Seite
9
JPEG-Download
 

Nothwendigkeit des Gemischtseins der Nahrung. 9

stofffreien eine sehr kohlenstoffceiche, die Butter, eine daran weniger reiche,der Milchzucker nebst Salzen, welche Phosphorsaure, Kalk, (_hlor-natri um enthalten. , .

Alles, was man darüber weiß, deutet daraus hm , daß einige der Mi-schungsbestandtheile der Nahrung von der Lebensthatigkeit zur Neubildung derKörpermasse in ihren verschiedenen Theilen verwendet werden, also ganz beson-ders dem Stoffwechsel dienen. Man hat solche »plastische Mittel-- genannt.Diese müssen stickstoffhaltig sein, wie Eiweiß, Fibrin, Kasestoff rc., um Mus-kel ic., und Phosphor- und kalkhaltig, um die Knochen zu bilden. . Anderedagegen nehmen keinen Antheil an dem Baue des Körpers, gehen nicht in^seineSubstanz ein, sondern werden zur Wärmeerzeugung verwendet. Die Wärme-erzeugung beruht aber darauf, daß diese Stoffe, nachdem sie m s Blut ube^gegangen, der eingeathmeten Luft entgegengeführt werden. Es entspinnt sicheine allmalige chemische Einwirkung ihres Sauerstoffs aus dieselben, eine Zerse-tzung, wahrend welcher sich Warme entbindet, ähnlich wie bei der Verbrennung,aber verhältnißmaßig sehr langsam. Solche zu dem Athmungsproceß dienende,oder »Wärme erzeugende-- Stoffe werden nur unter Bedingungen zumBaue des Körpers verwendet und zurückgehalten, welche mit dem Athmenzusammenhangen, und dienen alsdann zur Bildung von Fett.

Es geht daraus entschieden hervor, daß der Begriff von --nähr haft--im praktischen Leben stets einseitig aufgefaßt wird. Nahrhaft kann nur die-jenige Speise genannt werden, welche dem Körper Stoff für alle seine Func-tionen und nicht bloß für einzelne bietet. Die Milch ist das einzig wahreVorbild aller Nahrung, und jede Speise sollte wenigstens Repräsentanten allereinzelnen Nahrungsbestandtheile der Milch enthalten. Es existirt also in derNatur eine gewisse Norm, welche nicht ungestraft vernachlässigt, oder über-schritten werden kann; eine Norm, die dem Menschen in einer bewunderns-würdigen Weise sein Znstinct andeutet. Es gehört unter die größten Uebels derCivilisation, die den Menschen so häufig einem naturgemäßen Leben entrückt,daß sie ihn durch falsche Anschauung, durch Mangel und Armuth theils ver-führt, theils zwingt, die Stimme des Jnstincts zu überhören und einer Lebens-(Ernahrungs-) Weise zu folgen, bei welcher die volle Ausübung seiner körper-lichen und mithin auch geistigen Verrichtungen, d. h. Gesundheit nicht mehrmöglich ist. Unglücklicher Weise erscheinen die, aus einer unrichtigen Lebens-weise entspringenden üblen Folgen für die Gesundheit in der Regel langsam,allmälig, schleichend und werden darum so häufig verkannt.

Eine richtig gemischte Nahrung soll die Substanzen, die zur Unterhaltungdes Athmungsprocesses dienen und diejenigen, welche für den Ersatz der Kör-pertheile in Folge des Stoffwechsels nöthig sind, in demjenigen Verhältnisseenthalten, wie es diesen beiden Verrichtungen entspricht. Die Ansprüche dersel-ben sind aber unter verschiedenen Umständen äußerst ungleich und sehr von Alter,Klima, Lebensweise, Beschäftigung k. abhängig, so daß sie nur jedesmal durchJnstinct und Erfahrung festgestellt werden können. — Wenn es einer Nah-rung an diesem Gleichgewichte gebricht, wenn sie verhältnißmaßig zu viel, oderzu wenig von einem Bestandtheile enthalt, so kann dieses Mißverhaltniß durch