158 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
Wahrend des ganzen Vorganges, insbesondere während der Umwandlungder Starke, entwickelt sich ein höchst widerwärtiger, unangenehmer Geruch, denman gewöhnlich der Einwirkung der Saure auf jene geringen Mengen von Oelzuschreibt, womit das Kartoffelstarkemehl behaftet ist. Dieser Geruch machtdie Starkezucker-Fabrikcn zu einer sehr unangenehmen Nachbarschaft; er kannjedoch dadurch beseitigt werden, daß man die Dämpfe in's Feuer leitet.
Wie bereits angemerkt, ist der Stärkezucker als Ersatzmittel des Rohr-zuckers zum unmittelbaren Gebrauch nicht sehr geeignet. Das Versetzen ge-wisser in Pulverform im Handel vorkommender Zuckerarten mit dem nachFouchard's, oder einem ähnlichen Verfahren dargestellten, sehr weißen und,krystallinischen Stärkezucker, wie es in Frankreich öfter geschehen, ist eine wahreFälschung, weil der letztere bedeutend schwacher süßt. —
Anwindung. Am meisten und häufigsten dient der Stärkezucker zur Fabrikation vonWeingeist und Essig, zur Verbesserung geringer Weine u. dgl. Auch pstegendie Franzosen, die, wenige Gegenden abgerechnet, eben so schlechte Bierbrauerals Bierkcnner sind, den Starkesyrup in Menge der Bierwürze zuzusetzen.Viele Brauereien sind zu diesem Zweck mit Kartoffelstärke- und Starkezucker-Fabriken verbunden. So richtig dieses Mittel vom ökonomischen und theoretischenStandpunkte aus ist, so hat doch jeder Biertrinker ein wohlbegründetes Recht,dasselbe vom Gesichtspunkte des Wohlgeschmackes aus zu verwerfen. Der Stärke-zucker (-Syrup) hat nämlich nicht nur einen etwas herben Nachgeschmack, sondernist auch in allen Fällen mit viel schwefelsaurem Kalk und zuweilen, bei nach-lässiger Arbeit, mit freier Schwefelsäure behaftet, welche leicht auf den Geschmackder fraglichen Getränke einen nachtheiligen Einfluß ausüben. In Anerkennungdieser Einwürfe haben manche französische Brauereien vorgezogen, die Stärkemittelst Malzaufguß in Zucker zu verwandeln. Da sich jedoch die Bestand-theile des Malzaufgusses nach geschehener Umwandlung nur sehr schwierig undunvollkommen abscheiden lassen — was bei der Schwefelsäure so leicht istso muß man das letzte Mittel beibehalten, so oft es sich um eine reinere Waarehandelt.
Der Stärkezucker, dessen Eigenschaften zu mancherlei Fälschungen undDefraudationen die Hand bietet, ist besonders in Frankreich zu diesem Zweckeausgebeutet worden, wo diese Waare überhaupt am meisten Eingang gefundenhat und gegenwärtig bereits den jährlichen Verbrauch von 100,000 Ctr. über-steigt. Es ist daselbst vorgekommen, daß Stärkezucker von der körnig-kryst"^linischen Sorte als eine geringere Sorte von Bretagner Honig, ja selbst «jfdie zweite, braune, weiche Sorte Manna zum medicinischen Gebrauch verkaufwurde.
Vom Rohrzucker.
Die große Masse des Rohrzuckers wird aus dem Zuckerrohre und aus denRunkelrüben, ein geringer Theil (in Amerika) auch aus den Saft gewisser Ahor^bäume gewonnen.