204 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u, landwirthschaftl. Gewerbe.
| dehntesten angewendet wird. Sie ist aber bei weitem nicht die einzige, nochüberhaupt eine vollkommene. Außer des damit nothwendig verbundenen un-terbrochenen Gangs und der vielen erforderlichen Handarbeit, können ihr nochmehrere nicht minder gegründete und gewichtige Einwürfe gemacht werden; dererste Einwurf ist der, daß nämlich stets, selbst bei dem besten Verfahren unddem besten Pressen, ein nicht unbedeutender Antheil Saft in den Rübentresternzurückbleibt, der bei einmaligem Pressen 20 bis 25 Proc., bei zweimaligemPressen 10 bis 15 Proc. vom Gewicht der frischen Rüben beträgt. Dadurch wirdgleich von vorn herein ein namhafter Theil, nämlich 11 —22 Proc. vom Zucker-gehalt der Rüben von der Fabrikation eliminirt und somit der Zuckerproductionentzogen. Wenn nun auch alle Fabrikanten auf diese wohlverstande Thatsachehin, mit der Zuckererzeugung als Nebenbetrieb die Rindviehmästung verbindenund die Rübenlrebern als einen sehr schätzbaren Zusatz zu langem Futter ver-füttern, wenn sie auch dadurch den Verlornen Zucker mit dem abfallenden Markzu Gute machen, so ist doch diese Act der Verwerthung nur ein Nothbehelf undbeträchtlich unter dem Preise des Zuckers als Handelswaare.
Der zweite Einwurf beruht auf dem bekannten Verdalten der stickstoffhal-tigen Substanzen in der Rübe — oder vielmehr ihres Saftes, sich an der Lust,anfangs braunroth, dann üntenartig schwarz zu färben, wodurch ein mächtigerKeim zu seiner künftigen Zersetzung und Verderbnis, sei es geistige oder schlei-mige Gährung, gegeben ist. Sie entwickelt sich mit um so größerer Kraft,je mehr und umfangreicher die Berührung mit der Luft gestattet ist. Beidem Reibe- und Preßverfahren kommt nun die im höchsten Grade aufgeschlos-sene Rübenmasse schon in der Reibemaschine und in deren Sammelbehälter,dann durch den Transport nach dem Fülltisch und das Füllen selbst, eben stwie der Saft wahrend des Pressens, in die breiteste und vielfältigste Berührungmit der Luft, und zwar in der Kalte, also noch obendrein ohne'den Schußeiner umhüllenden Dampfatmoftchare, — welche ihn in demselben Maaßderjenigen Zersetzung geneigt machen muß, womit der Praktiker so viel zu känr-pfen hat.
Ein dritter Einwurf liegt in dem Gewaltsamen der Wirkung des Pressens,wodurch nicht nur der Saft mit allen gelösten Bestandtheilen, sondern auchmit einem Theile mehr oder weniger feiner Zeilentrümmern rc. ausgedrückt wist-Die Berücksichtigung dieser Beobachtungen und Erfahrungen haben nU»eine andere, im Princip völlig verschiedene Methode der Saftgewinnung ¥*'beigeführt, welche man gewöhnlich, obwohl höchst uneigenclich, das Macera-tions-Verfahren zu nennen pflegt. Diesem Verfahren liegt dieselbezu Grunde, welche bei dem Auslaugen von löslichen Salzen aus einer Mauunlöslicher Stoffe schon längst bei andern Betriebszweigen ausgeführt und u. •im i. Bande bei dem Auslaugen der Salpetererde, der Holzasche, der rohSoda rc. erörtert worden ist, — die Idee der successiven Erschöpfung. 'erste Idee der Art rührt von Markgraf, der erste Versuch von Dombasle ¥ 1welchem in den 30r Jahren Clemendot; Laucence u. A. nachfolgten. ^Die Rüben wurden, nach DombaSle, mittelst einer Schneidemaschino ^einige Linien dicke Scheiben geschnitten und diese in Körben, in ihr gleiches