Chemismusder Läuterung,
Verschie-dene Läute
Methoden,
214 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
gallertsaurer Kalk als unlöslich gefallt wird, wahrend sich die ursprünglich damitverbundenen Basen und zwar wenn sie unlöslich sind (Eisenoxydul, Mangan-oxydul, Thonerde, Bittererde, soweit sie vorhanden), niederschlagen, die Alkaliendagegen auflösen. Hierdurch und durch den Ueberschuß an Kalk, der sich ver-möge des Zuckers löst, wird die Reaction alkalisch.
Durch die Fällung der Erden und Erdsalze wird ein großer Theil Farbe-stoff mit niedergerissen und die Flüssigkeit heller.
Da der Saft inzwischen im Sieden begriffen ist; so reagiren die frei gewor-denen Alkalien auf diejenigen stickstoffhaltigen Stoffe, welche weder durch Hitze, nochdurch Kalk gefallt werden. Wahrend der lange anhaltenden Zersetzung derselbenwird fortwährend Ammoniak gebildet und wegen der Temperatur und alkali-schen Beschaffenheit der Flüssigkeit, als solches entwickelt.
Die Niederschlage aus den Läuterungspfannen der Fabrik von H. Schmidtaus Magdeburg sind von Hochstetter durch Ausschließen mit Essigsaure unter-sucht worden. Sie bestanden aus: Eiweiß; leimartiger stickstoffhal-tiger Substanz; humusartiger stickstoffhaltiger Substanz (Pro-duct der Einwirkung der Sauren und Alkalien des Saftes auf die ursprüng-lichen Verbindungen dieser Klasse); einer Verbindung von Kalk mit Fett,also Kalkseife; endlich kleesaurem und phosphorsaurem Kalk, nebstSand und den fremden Stoffen der Kalkmilch. Gallertsaurer Kalk und dieübrigen Verbindungen wurden nicht besonders nachgewiesen.
Bei Rüben, die bereits gekeimt oder durch langes Aufbewahren an Güteverloren haben, ist der Saft oft stärker sauer, mehr oder weniger Rohr- inTraubenzucker, Eiweiß und der an der Luft schwarz werdende Stoff in solcheumgewandelt, die durch Kalk gefallt werden, weshalb solcher Saft oft die dop-pelte Kalkmenge erheischt.
Die im Vorhergehenden beschriebene praktische Ausführung der Läute-rung ist diejenige Methode, welche gegenwärtig die Anerkennung der meistenund der ausgezeichnetsten Fabriken für sich hat und als die allgemein üblichegelten kann. Sie stützt sich aber auf Erfahrungen, wissenschaftliche Grund-sätze und Ansichten, die erst in der neueren Zeit mit Erfolg durchgedrungeNsind und die Oberhand behalten haben. So sehr man auch zu allen Zeitenund an allen Orten darin völlig einverstanden war, daß sich die Menge desRohrzuckers eines in Verarbeitung befindlichen Saftes, durch die verschied^nen Operationen des Lauterns, Abdampfens, Verkochens rc. im Allgemeine»vermindert; so ist man doch im Einzelnen zu verschiedenen Zeiten und an ver-schiedenen Orten darüber sehr abweichender Meinung gewesen: Welchem vonden schädlichen Einflüssen der Ausfall am meisten zuzuschreiben, und auf welcheWeise ihm am besten zu begegnen sei. — Je nachdem man bald in der alkast^schen Beschaffenheit des geläuterten Saftes, bald in dem schädlichen Verhalte»der Ammoniaksalze den Hauptgegner erblickte, hat man die Waffen bald »»Nder einen, bald nach der andern Seite gewendet, bald Vortheile, bald Natheile überschätzend, — und so eine Anzahl von Läuterungsmethoden in's e 'den gerufen, von denen einige von größerer Dauer und Wichtigkeit gewesen