Band 
Zweiter Band.
Seite
248
JPEG-Download
 

und Fehler.

248 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.

fett mit der Läuterung und Entfärbung geräth, denn Syrupe von dieser Con-centration bieten gleich große Schwierigkeiten im Lauterkeffel und beim Durch-gang durch die Kohlensilter. Das Ausziehen der Rübenmasse mit Wasser,welches mit Kalkmilch versetzt worden, kann allerdings gleichsam als eine Läute-rung in der Rübenmasse selbst, aber nur als eine gute und gelungene angesehenwerden, wenn die Umstände und die Beschaffenheit der Rübe günstig sind. DieTemperatur beim Auslaugen kann nicht auf die zur Läuterung geeignete Höhegetrieben werden, wenn man sich nicht größeren Uebelständen aussetzen will.Selbst abgesehen von den Schwierigkeiten der Läuterung bleiben noch die Schwie-rigkeiten der Entfärbung; wird diese vorgenommen, ehe der Syrup zu dickflüs-sig ist, so wird er in Folge der weiteren Concentration wieder gefärbt; geschiehtsie zuletzt, so geht der Saft zu schwer durch die Kohlen. —

Schützenbach's Verfahren hat dem älteren französischen, vieler Vorzügeungeachtet, unterliegen müssen, weil es unwiderleglich mit einem Mehraufwandeines der wesentlichsten Erfordernisse, des Brennstoffs verbunden und noch mehrum deswillen, weil es seinen eigentlichsten Zweck— nämlich Erweiterung desRayons der mit der Fabrik in Verbindung stehenden Rübencultur — vollständigverfehlt hat. Das Trocknen muß wohlfeil, rasch und so ausgeführt werden, daßes eine Gewahr gegen die Veränderung des Zuckers bietet. Solchen Anfor-derungen genügen nur complicirte und vervollkommnete Apparate wie die be-schriebenen, die viele mechanische Hülfsmittel, sowie ein ziemlich beträchtlichesKapital erheischen und eben darum eine gewisse Centralisation, also auch Trans-port der frischen Rüben unvermeidlich machen.

Das Schützenbach'sche Trocken-Verfahren ist nur für den fabrikmäßi-gen Betrieb ausführbar, also im großen Maaßstab und in der Regel in Ver-bindung mit der Zuckerfabrikation selbst. Gäbe es ein Trockenverfahren, wel-ches in kleinem Maaßstabe und mit derselben Sicherheit des Erfolgs von demLandwirth könnte ausgeführt werden, so wäre die Fabrikation des Zuckers vomRübenbau emancipirt und die Hauptfrage der inländischen Zuckergewinnung ge-löst. Alsdann würde man den Bau der Zuckerrüben nur dort betreiben, woihn die Lage, Bodenbeschaffenheit und die übrigen Culturverhältnisse hin ver-weisen; man würde die Fabrikation dahin verlegen, wo Brennstoff, Arbeitslohnund Transportmittel am wohlfeilsten sind und endlich beide Betriebe dadurch inVerbindung setzen, daß man die Rübe durch Trocknen zu einem leichten, sicherenund wohlfeilen Transport geschickt machte. — Nur unter solcher Bedingungmöchte Schützenbach's Verfahren die wichtige Rolle übernehmen können,zu der es in der Zuckerfabrikarion berufen scheint.

R ü ck b l i ck

auf die Zuckerproduction in volkswirthschaftlicher Beziehung.

In dem Verlauf dieses Abschnittes ist die gegenwärtige Lage der Rüben-zucker- und der Evlonialzuckerindustrie an den geeigneten Stellen im Einzel-nen berührt worden. — Für den Rohrzucker wurde das Haupthinderniß derVerbesserung seiner Industrie in einer mangelhaften Theilung der Arbeit, also