Volks-wirt l> -schaft liche
Werth drrRübcnjucker-industrie,
in technischer,
in ökonomi-scher
Beziehung.
252 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.
Rohzucker die dazu erforderliche Rübenmenge (abgerechnet die nicht zur Fabrik-.kommenden Abfalle) als Maaßstab, indem das Gesetz seither auf 3 Ctr. Roh-zucker ein Aequivalent von 60 Ctr. Rüben besteuerte, oder einen Ertrag vonnur 5 Proc. annahm. Diese Annahme ist gegenwärtig völlig falsch und machtden Steuersatz durchaus illusorisch, denn man producirt 7% Proc. Rohzuckerund braucht zu 1 Ctr. Rohzucker daher nur 13*/z Ctr. oder auf 3 Ctr. Roh-zucker 40 Ctr. Rüben. Der Fabrikant versteuert also auf je 60 Ctr. Rüben3 Ctr. Rohzucker, erzeugt aber 4% Ctr., so daß immer iy 2 Ctr. unversteuertbleiben, oder der vom Gesetz gewollte Zollsatz von 3 auf 2 vermindert, der beab-sichtigte Schutz um eben so viel erhöht wird.
Die im Jahre 1845 — 46 versteuerten 4,446469 Ctr. Rüben hatten nachder gesetzlichen Annahme 222323 Ctr. Rohzucker geliefert und haben eben soviel Thaler Steuer gezahlt; nach dem wirklichen Stand der Fabrikation habensie aber 334320 Ctr. Rohzucker geliefert und hatten eben so viel Thaler Steuerzahlen sollen. Die Zollkasse hat mithin nahe an 112000 Thaler zu wenig er-halten und der Centner Rohzucker ist nicht mit 1 Thaler, sondern nur mit% Thaler besteuert worden. Man ist also im vollen Recht, wenn man damitumgeht, die Steuer auf Rübenrohzucker im Verhältniß zum Fortschritt dieserIndustrie zu erhöhen.
Durch einen solchen Schutz sind allerdings beachtenswerthe Resultate er-zielt worden: es ist eine schöne und ursprünglich deutsche Industrie in wenigJahren auf einen hohen Standpunkt der Entwickelung gebracht und so sehrgekräftigt worden, daß es ihr möglich wurde, sich die technische Intelligenz alsHülfsmittel anzueignen und durch rationelleren Betrieb den Ertrag um's 1% =fache zu vermehren. So hat eine preußische Fabrik zu 1 Centner Melis:
im Jahre - 1841 . 1842 1843 1844 1845 1846
Rüben verbraucht: 27Ctr. 22y Ctr. 19% gtr. 18 24 / 25 (Str. — —
und dabei 19,000 Thlr. 1750Thlr. 6250Thlr. 26,600Thl r. 43,000Thlr. 5 2,000Thlr.verloren. . gewonnen.
Es ist endlich mit dieser rasch aufgeblühten Industrie — was wohl ammeisten zu schätzen ist — auf dem Boden der technischen und wissenschaftlichenHülfsmittel eine Schule der Zuckerindustrie geschaffen worden, deren Errungen-schaften unmittelbar auf die tropische Fabrikation reflectirt, daselbst vom aller-günstigsten Einfluß waren.
Von einem höheren Standpunkt aus gewinnt die Sache ein anderes An-sehen, wenn man nämlich das Verhältniß der inländischen Zuckerproductionzum großen Ganzen der Consumtion betrachtet.
Sofern die Zuckerindustrie des Zollvereins nur % bis % vom wirklichenVerbrauch seiner Bevölkerung erzeugt, ist die einfache Folge, daß durch denihr zugewendeten Schutz der Zucker vertheuert, also die Consumenten im In-teresse einer kleinen Zahl Producenten ein Opfer bringen müssen. Die hoheBesteuerung eines Lebensmittels, denn als solches muß der Zucker durchausangesehen werden, kommt aber dem Unterbinden einer Hauptader der Bolks-wohlfahrt gleich, um so mehr, da die Besteuerung den Unbemittelten im Ver-