Band 
Zweiter Band.
Seite
254
JPEG-Download
 

254 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.

Grunde, sondern auf einem künstlichen Unterbau ruht. Sie ist eine zierendeTreibhauspflanze, die auf Kosten des Ganzen mit beträchtlichen Opfern ge-pflegt wird.

Gewinnung des Zuckers aus anderen Pflanzenstoffen.

Aus Mais.

Ueber die Gewinnung des Rohrzuckers aus Mais hat schon im Jahre1811 Dr. Ries in Ofen Versuche angestellt, welche zuerst von Lr. Pallasauf St. Omec im Jahre 1834 wieder aufgenommen wurden. Er erhieltaus der Ernte von 1 Hektare Land, nämlich aus 3704 Kilogramm abge-blätterter Stengel nach der Reife der Kolben, 74 Kilogramm, oder 2 ProcentRohzucker und 148 Kilogramm Melasse. Pallas behauptete im Jahre1839, daß sich der Zuckergehalt der Maisstengel durch die Ausbildung derFrucht vermindere, und folglich durch Castration der weiblichen Blüthen ge-hoben werden könne. Bürger ist ebenfalls der, physiologisch allerdings sehrwahrscheinlichen Ansicht, daß der Zuckergehalt unmittelbar nach der Blüthe denHöhepunkt erreiche. Im Jahre 1842 beschäftigten sich Biot und Soubet-rau mit diesem Gegenstände und fanden, wie Pelouze spater bestätigte, daßder Saft des Maisstengels zwar vorzugsweise Rohrzucker, aber auch eine ge-wisse Menge einer andern Zuckerart enthalte. Sie fanden in 1 Litre Saftvon castrirten Stengeln 10,66 Gm., in Saft von nicht castrirten Stengeln11,79 Gm. Rohrzucker und schließen daraus, daß die Castration eher nachthei-lig ist als nützlich, und daß es zweckmäßiger ist, die Stengel einfach vor derEntwicklung der Frucht auszuziehen.

Der Mais ist nach dem Zuckerrohr die zweite Art aus der Familie derGräser, welche sich durch hohen Zuckergehalt auszeichnet. Er gerath in weithöheren Breiten als dieses, ist weit leichter auszupressen, weil weicher, und hateine viel kürzere Vegetationsperiode, besonders wenn man die Körnerbildungnicht abwartet, so daß in manchen Gegenden zweimal geerntet werden kann.Dies ist sein Vorzug vor dem Zuckerrohr; es ist aber auck ein wesentlicherVorzug vor der Runkelrübe, daß seine Ernte sich nicht so spät in den Herbsterstreckt und dem Landmann einen erwünschten Spielraum zur Vorbereitungdes weiteren Anbaues läßt. Diese Vortheile werden indessen durch die Gegen-wart einer anderen Zuckerart neben dem Rohrzucker, sehr in Schatten gestellt.

Nach dem von Ellesworth verfaßten, landwirthschaftlich-statischen Be-richt des patent oilice für Nordamerika, ist der Zuckergehalt des Mais, beieinem spec. Gew. des Safts von 10° B., dem des Zuckerrohres gleich unddreimal größer, als der der Runkelrüben. Dies widerspricht dem bekanntenZuckergehalt der beiden letzten Vegetabilien, und ist offenbar übertrieben.

Es wachsen auf 1 Morgen Hess. (— % Hect.):

8700 Stück Stengel (nach Neuhold und Trautmann) inOesterreich