256 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
Zucker °u« Rechnung zu tragen ist. Schwerlich scheint aber der Ahornsaft die Halste vom
^"'"'^""'Zuckergehalt der Runkelrübe zu erreichen. Um so vielmehr Wasser hat manbei der Darstellung des Zuckers daraus zu verdampfen und um so umfangrei-cher müssen die Fabrikgeräthschaften sein. Wahrend die Runkelrübe in eini-gen Monaten reist, bedarf der Ahornbaum ein Menschenalter, und wird durchdie zu gewaltsame Operation des Abzapfens noch mehrere Jahre schadhaft undgeht ein. Endlich kann auf derselben Bodenflache bei weitem nicht so vielAhorn- als Rübensast gewonnen werden. Aus allen diesen Gründen kann derAhorn in Europa niemals Material für die Zuckergewinnung im Großenwerden.
Gewinnung Auf der nördlichen Halste des amerikanischen Continents dagegen sind die
in Amerika. _ e r» \ . . 1 _ ooi
Verhältnisse anders. In den vereinigten Staaten, in Canada und dem Landenach Westen, ist der Ahorn nicht nur ebenfalls einheimisch, sondern weit herr-schender als in Europa. Er findet sich nicht selten in geschlossenen Waldungenals eigener Bestand, am gewöhnlichsten jedoch anderen Bestanden untermengt.Hier, wo der Brennstoff eine untergeordnete Rücksicht, und der Werth des Bo-dens nicht in Frage kommt, ist die Gewinnung des Ahornzuckers für diejenigenGegenden, welche der Zufuhr des tropischen Zuckers zu fern liegen, Gegen-stand einer regelmäßigen, aber zugleich wandernden Fabrikation, welche jährlich7 bis 12 Millionen Pfd. Zucker liefern soll. Die Eingebornen waren schonvor der europäischen Ueberfledlung mit dieser Production vertraut; sie pflegenEinschnitte in den Baum zu machen, und den Zucker, nach Art der Harze alseingetrocknete Körner zu sammeln. Durch die Weißen ist ein fabrikmäßigererBetrieb eingeführt worden, worüber, soweit er Canada betrifft, Kalm schon1751 eine Abhandlung veröffentlicht hat. Jene steht noch auf dem rohen Fußeder meisten Forstbenutzungen, der sie übrigens gänzlich bedingt, indem man ge-zwungen ist, mit den Hülfsmitteln und Gerathschaften der Verarbeitung demRohproduct nachzugehen. Diese letzteren sind daher-auch auf das nothwendigste,nämlich: einige Hohlbohrer von % Zoll Weite, Stander zur Aufnahme, hölzerneRöhren von der Starke der Bohrer zum Abzapfen des Saftes; ferner Eimer,Fässer, Siedekeffel von 60 bis 70 Litre Inhalt, einige Formen und endlich Aextezum Holzspalten beschränkt. Die geeignete Jahreszeit ist der Monat Februarund der Ansang des März, also der Safttrieb des Frühjahrs.
Man bohrt auf der Südseite des Baumes zwei Löcher im Abstand von4 — 5 Zoll, und 18 bis 20 Zoll über der Erde in der Richtung schräg auf-wärts und zugleich mit der Vorsicht, daß der Bohrer nicht tiefer als etwa %Zoll in die sogenannte weiße Rinde oder Splint vordringt, weil diese Schichtdes Stammes am meisten Saft liefert. Der Saft läuft gegen 6 Wochenlang; gegen Ende dieser Zeit kommt er spärlicher und zugleich ärmer an Zuckerund unreiner.
Man leitet ihn mittelst der eingepaßten Röhren in die untergesetzten Stan-der, um ihn von da aus mit dem Eimer nach der zu diesem Zwecke errichtetenSiedhütte, und zwar In ein Vorrathsfaß zu bringen, woraus man die Kes-sel speist. Der Saft halt sich nicht länger als 2 oder 3 Tage unverkocht; jenach dem Wetter. Das Eindampfen geschieht über lebhaftem Feuer unter