258 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.
Besitzung Pondichery, in Cuddalore auf der Küste Eoromandel, Fabriken errich-tet worden, welche den Jaggary in ziemlich großem Maßstab (eine dieser Fabri-ken erzeugte im Jahre 1845 6000 Tonnen) nach den in Europa üblichen Me-thoden mittelst Kalk, Thierkohle rc rafsiniren und mit Rum oder Syrup vonbereits gereinigtem Zucker decken. Diese Raffinade aus Palmensaft, welche gelb--lichweiß ist, Geschmack und Textur des rafsinirten Rohzuckers hat, kommt alsColonialzucker in den englischen Handel, aber auch unter den Namen Dattelzu-cker vor. Sie soll von weniger festem Korn sein als das gleiche Erzeugniß vonZuckerrohr.
Ein ganz ähnliches Product kommt unter dem Namen »Dattelzuckervon Mogador-- (nach dem marokkanischen Hafen benannt) aus dem tropi-schen Afrika. —
Aus Kastanien, Cactus und Affodil.
Zur Zeit der Eontinentalsperre hat man die zahmen Kastanien zur Zucker-gewinnung empfohlen, welche davon 14 Procent enthalten sollen. In ähnlicherWeise ist im Süden von Europa und in Algier die Frucht der gemeinen Fackel-distel (Cactus Opuntia); ferner in Griechenland eine Art dort häufig wildwach-senden Affodils (Asphodelus) empfohlen worden, womit man in Athen Versucheangestellt hat. —
Saccharimetrie.
Der Verkehr in Zucker wird nur dann auf eine feste Grundlage zurück-geführt sein, wenn die Betheiligten im Stande sind, sich jedesmal über den wah-ren Werth der betreffenden Products, oder Rohstoffe Kenntniß zu verschaffen.Der Werth dieser Waaren ist je nach den Umstanden entweder der Gehalt anZucker überhaupt, oder der Gehalt an krystallisirbarem Rohrzucker, oder beideszugleich. Mit anderen Worten: Es ist eine Probe nothwendig, d. h. eine Me-thode, mittelst welcher man rasch, ohne daß besondere Uebung oder Kenntniß vor-ausgesetzt wird, ohne bedeutende Kosten und doch mit hinreichender Genauigkeitjenen Werth ermitteln kann. Bei weitem am wohlthätigsten würde der Einflußeiner solchen Probe für den Betrieb der Raffinerien und für das Steuer- undZollwesen sein. In dem ganzen Rafsinirgeschaft ist kein Theil von so hervor-ragender Wichtigkeit, keiner von so großer Schwierigkeit, als der Einkauf desRohzuckers, weil hier die Zuckerprobe lediglich durch empirische langjährige Er-fahrung ersetzt werden kann. Jemand, der eine gründliche Kenntniß des Mark-tes besitzt, aber oberflächlich mit der Technik vertraut ist, wird sicher einen bes-seren Erfolg haben als derjenige, dem bei den besten technischen Kenntnissen dieErfahrung im Einkauf des Rohzuckers abgeht. Ebenso unmöglich wird es blei-ben, den Zweck der Besteuerung in ihren verschiedenen Modisicationen aufrechtzu erhalten und vor Defraudation, Betrug und Umgehung zu schützen, so langeman die Steuersätze — in Ermangelung einer geeigneten Probe — an die Formund das Aeußere der Erzeugnisse, statt an ihren Gehalt anknüpft. Bis jetztexistirt zwar kein Verfahren der Werthermittlung derselben, welches in dem an-gedeuteten Sinne den Anforderungen der Praxis entspricht, doch sind die Be-