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Zweiter Band.
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260 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthfchaftl. Gewerbe.

Optische Prob?. Von ganz anderer Seite als von der chemischen, nämlich von der optischen,suchteBiot das Problem der Saccharimetrie zu lösen. Biot's schon vomJahr1843 datirende Versuche sind zuerst von Soleil (1846) in dessen optischemSaccharometer in eine practischere Form gebracht und durch die darauf bezügli-chen chemischen Studien von Clerget 1846 verbessert worden. — Bekannt-lich hat der Zucker in seinen Lösungen dieselbe Eigenschaft wie der Bergkrystall,nämlich Circularpolarisation des durchgehenden Lichtstrahls hervorzubringen. Ei-nige Zuckerarten (Rohrzucker) bewirken eine Drehung nach rechts, andere (Trau-benzucker) eine Drehung nach links. In jedem Fall nimmt das Rotationsver-mögen einer Auckerlösung um so mehr zu, je concentrirter sie ist. Geht ein Licht-strahl unter den erforderlichen Bedingungen durch eine Quarzplatte des Polari-sationsinstrumentes, so wird die Polarisation desselben unter gewissen Farbenerschei-nungen stattfinden; bringt man eine Säule von Zuckerlösung dazwischen, so wirddiese einen gewissen Einfluß auf die Färbung zeigen, der um so größer ist, jemehr Zucker sie enthält. Die Größe dieses Einflusses, also des Zuckergehaltes,wird nun gemessen durch die Dicke, welche man der Quarzplatte geben muß,um ihn zu compensiren. Zu dem Ende besteht die Quarzplatte aus zwei keil-förmigen Theilen, welche mehr oder weniger über einander geschoben, eine grö-ßere oder geringere Gesammtdicke bilden. • Die Zuckerlösungen werden bei diesenProben mit einer Normallösung verglichen, welche auf 100 Gramme 16,471Gr. Zucker enthält und eine 20 Centimer hohe Schicht bildet.

Bei einem Verfahren, wie das beschriebene, wo es sich um den Durchgangdes Lichtes und die Beobachtung von Farbentönen handelt, ist die Durchsichtig-keit und Farblosigkeit, sowie die Abwesenheit von fremden Stoffen, welche einenähnlichen Einfluß auf das Licht besitzen, eine natürliche Grundbedingung. Die-ses Verfahren ist daher nur auf farblose und reine Zuckerlösungen anwendbar,wie die in der Praxis vorkommenden Producte in der Regel nicht sind. DieZurückführung der zu untersuchenden Muster in diesen Zustand und die Com-pensation oder Correction der Fehler, welche von dem störenden Einfluß der frem-den Stoffe herrühren, sind eine Quelle von Schwierigkeiten und Umständlichkei-ten, welche der Einführung des optischen Verfahrens wesentlich im Wege stehen.

Die verschiedenen Melassen und Lösungen von nicht rafsinirtem Zuckermüssen durch Kohle entfärbt werden; aber die Kohle hält u. a. auch Zucker zu-rück und vermindert so den ursprünglichen Gehalt.

Die in dem Zucker und den Zuckersäften enthaltenen fremden Stoffe kön-nen indifferent sein, alsdann ist ihre Anwesenheit gleichgültig. Oder sie bewirkengleichfalls eine Ablenkung; diese kann nach rechts gerichtet sein, oder nachlinks: im. ersten Fall wird das Beobachtungsresultat erhöht, im anderen ver-mindert. Unter diesen Umständen hilft man sich auf einem Umwege, der sich aufdie Erfahrung gründet, daß das Ablenkungsvermögen keines der vorkommendenStoffe durch die Einwirkung der Säuren verändert wird, außer bei dem Zuckerund zwar von rechts nach links. Man macht eine Probe mit dem unveränder-ten Stoff und behandelt diesen nachher mit Säure. So erhält man eine neueFlüssigkeit, deren Ablenkungsvermögen ebenfalls gemessen wird. Aus dem Un-terschied der Grade beider beobachteten Rotationen läßt sich das gesuchte berech-