Geistige Getränke. Begriff der Gahrung. 271
Thier - und Pflanzenorganismus vorfinden, nicht, denn sonst würden die Safteder lebenden Pflanzen z. B. gahren müssen. Erst wenn ihre complicirte Zu-sammensetzung durch die Lebenskraft nicht mehr zusammengehalten wird, erstwenn sie angefangen haben chemisch zu zerfallen, wozu das ZusammentreffenMit Sauerstoff (Luft) meist hinreichende Veranlassung ist — werden sie eigent-liche Fermente.
Ueber das Wesen dieser Ursache oder Kraft, welche den Gahrungserschei-nungen im Allgemeinen zu Grunde liegt, ist die Wissenschaft bis jetzt noch zukeiner klaren Anschauung oder bestimmtem Begriff gelangt; über die Ansichten,welche darüber aufgestellt worden, sind die Verhandlungen noch lange nichtgeschlossen und keine derselben hat sich bis jetzt zur unbestrittenen Wahrheitdurchgerungen. Darüber ist jedoch kein Zweifel, daß diese Kraft von der che-mischen Affinität verschieden und nur unter gewissen Hauptbedingungen wirk-sam ist, die man genau kennt. Dahin gehört vor allen Dingen die Gegenwartvon Wasser und ein Temperaturgrad, der sich weder dem Frost- noch wenigerdem Siedpunkte sehr nähern darf, als äußerste Grenzen zwischen etwa 8° und40° C. Ferner lehrt die Erfahrung, daß die faulnißwidrigen, sogenannten an-liseptischen Mittel, zum Theil mit großer Kraft, die Gahrung hindern oderAufheben.
Eine merkwürdige Erscheinung bei der Faulniß und Gahrung ist dasAuftreten von mikroskopischen Wesen, welche mit derselben in naher Verbindung^hen, ohne aber, wie man sonst wohl glaubte, Bedingung zu sein. Diese We-fcti modisiciren und steigern allerdings die Gahrung und sind insofern von3kvßem Einfluß.
Keine Art der Gahrung ist für die Industrie, insbesondere für die Land-G,Pig, «-wirthschaft von solcher Bedeutung, als die sogenannte »geistige Gahrung-- * Mn9 ‘toeil die Darstellung aller geistigen Gelranke, des Weins, Biers, des Brannt-weins, dieselbe zum gemeinschaftlichen Ausgangspunkt hat.
, Eine Menge von Pflanzensaften, z. B. der der Weinbeeren- der Obstartenüberhaupt, der Runkelrüben rc. rc. enthalten nebeneinander Pflanzenleim, Ei-weiß ein ähnliches Albuminoid einerseits, aus der andern Seite aber Zu-Eer in Auflösung. Durch den Einfluß der atmosphärischen Lust gerathen die^ibuminoide sehr bald in chemische Veränderung, gewinnen dadurch den Cha-rter des Fermentes und veranlassen dann als ein mächtiges Agens ein Zer-ren der Elemente des Zuckers, wobei sich diese zu zwei neuen, einfacherenBindungen, zu Alkohol (in Verdünnung mit Wasser Weingeist ge-"^Nt) und zu Kohlensäure ordnen. Der Alkohol bleibt in der Flüssigkeitdie Kohlensäure entweicht (bis aus weniges) gasförmig. Gleichzeitig?wit durchlaufen die stickstoffhaltigen Körper ihre selbständige Veränderung;
Cc größte Theil derselben wird unlöslich und verwandelt sich in einen gelblichraveu Niederschlag, der sich reichlich abscheidet. Dieser Niederschlag hat in^°hrm Grade die Eigenschaft, unter sonst gleichen Umständen dieselbe Gahrungtr hervorzurufen, die ihm das Dasein gegeben hat, und dieses weit rascherenergischer, als es von selbst unter dem bloßen Einfluß der Luft geschieht,in den Künsten bekanntlich die »Hefe« und ist allgemein als das