336 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.
Kühlschiffe, Hefe wieder abscheidet. Nach einiger Zeit verschwindet dieser Einfluß, indemsich nach und nach eine Kruste, der Bierstein, als schützender Ueberzug aufdas Eisen absetzt. Eiserne Kühlschiffe sind weit wirksamer, weil sie die Abküh-lung beträchtlich durch die Warmeleitungsfahigkeit des Materials beschleunigen; *)sie -sind auch leichter rein zu erhalten als hölzerne, in deren Poren stets Würzeeingesaugt bleibt, die in der wärmeren Jahreszeit leicht verdirbt**). Jedes Kühl-schiff ist mit einem Zapfloch versehen und mit einer mäßigen Neigung des Bo-dens gegen diesen Punkt hin aufgestellt.
Auf- Insofern die Abkühlung in diesen Gerathen durch die Verdunstung, d. h.st-nung. burc f, die Entziehung derjenigen Wärmemenge bewerkstelligt wird, welche derentweichende Wafferdampf latent mit fortnimmt, — hangt sie nicht sowohl vondem Temperaturunterschiede der Würze und der Lust, sondern von dem Trocken-heitsgrade der letzteren, also von ihrer Fähigkeit ab, Feuchtigkeit aufzunehmen.Ferner wird die Raschheit der Abkühlung wesentlich dadurch bedingt, daß diegesättigte Atmosphäre über dem Flüsflgkeitsspiegel rasch durch Irische Lust ersetztwird. Es ist folglich zweckwidrig, das Kühlschiff im Brauhause selbst aufzu-stellen, wie man so häufig sieht, denn gerade hier ist am wenigsten Wechselund am meisten Feuchtigkeit in der Lust. Weit besser weist man, nach demBeispiele intelligenter Brauer, dem Kühlschiffe einen Platz außerhalb des Brau-hauses, nicht in einem geschlossenen Raume, sondern unter einer Art Schuppenan, dessen Dach den Regen abhält, wahrend seine offenen Seikenwande derLust freien Durchzug gestatten. Im Sommer richtet man sich am besten stein, daß die Würze wahrend der Nacht aus das Kühlschiff kommt; bei heileremHimmel kann die Abkühlung alsdann wesentlich durch Wärmeausstrahlung be-fördert werden, wenn die Würze von oben ganz unbedeckt steht. BeweglicheDächer und bergt, sind hierzu von Vortheil. Es versteht sich von selbst, daßdie Würze in jedem Falle vor Frost geschützt sein muß.
Da, wo man die Würze in gebrochenen Antheilen kocht, pflegt man häufigjeden Antheil für sich zu kühlen und hat dann, statt eines einzigen großen,mehrere kleine Kühlschiffe. Es ist hierbei zu berücksichtigen, daß bei der Ver-mischung dieser Würzen eine mittlere Temperatur herauskommt, welche für dieGahrung geeignet ist. ,
An»»,!, Der Zeitaufwand zum Abkühlen ist nicht unbeträchtlich; er betragt bei guwKnhlnppara,,. 6 — 8, bei ungünstiger Witterung 10 — 15 Stunden. Das
letzte Stadium, ungefähr von 40° C. abwärts, erfordert unverhältnismäßig wehrZeit, als die vorhergehenden und entspricht gerade den Temperaturen der Milchesaurebildung. Im Allgemeinen ist also Grund vorhanden, künstliche Kühlvor^richtungen zu Hülfe zu nehmen, allein diese haben nicht viel Eingang gesunden -Rührmaschinen und mit kaltem Wasser umgebene Kühlschlangen, in denen dieWürze circulirt, weil sie die Klärung verhindern, zu umständlich sind und besondereArbeitskraft erfordern; Windflügelgebläse, welche einen Luftstrom über die O er
!t ) In zwei nebeneinanderstehenden Kühlschiffen hatte die Würze, unter sonst 9^*^”Umständen, im eisernen in 9 Stunden -j- 8° 6., im hölzernen in 11 Stn-s- 10°C. erreicht (Sedelmayr).
**) Das «Muffig« oder »Fuchsig« werden.