Gärberei. Pergament; Chagrin.
589
4. Pergament.
Dient zu Trommelfell, wozu man Esels- und Kalbshäute verwendet, zu mtmai.Siebböden und Buchbinderarbeit aus schwächeren Kalbs-, Ziegen- und Bock-fellen und zum Schreiben, wozu Haute von jungen Schafen und Ziegen ge-nommen werden.
Die Zubereitung ist weit einfacher als das eigentliche Garben. Die nach Zubmitung.der Weißgarber reingemachte Haut wird mit Schnüren und Wirbeln ineinen Rahmen mit beweglichen Seiten (nach Art der Stickrahmen) so einge-spannt, daß sie eine glatte, faltenlose Flache bilden und selbst wahrend des Trock-nens keine Runzeln und Krümmen ziehen können. Die eingespannte frischeHaut wird zuvörderst auf der Fleischseite durch Falzen rein und gleich gemacht,vorauf man dieselbe Seite mit Kreidepulver, oder zerfallenem, längere Zeit an^ et Lust gelegenem, gebranntem Kalk bestreut und mit einem ebenen Bimsstein"ach allen Richtungen abreibt. Dies giebt das gewöhnliche Pergament, wel-seine Narbe behalt. Zur Bereitung von Schreibepergament wird dieNarbe beim Reinmachen abgestoßen, sonst aber gerade so verfahren, nur daßMan sorgfältiger mit Bimsstein abreibt. Die Haute werden nun auf demNahmen im Schatten getrocknet und sind dann fertiges Pergament.
5. Chagrin.
, Im Orient pflegt man Haute nach einem besonderen Verfahren so zuzu-nu»Nschh>„>t."eilen, daß ihre Oberflache ein eigenthümliches rauhes Korn, eine pockige oder^r.bjgx ' stu g unregelmäßigen Erhöhungen und Vertiefungen entspringende Be-"laffenheit besitzt, wie sie der getrockneten Haut mancher Fische, hauptsächlich
, et Haysische, welche den sogenannten Fischhautchagrin liefern, von Natur"gen jst,
0 . 3u dem orientalischen Chagrin dienen die Rückenstücke der Pferde-, Esels- 0 "-°>->lisch,r.
^aweelhaut, welche nicht gegarbt, sondern nach Art des Pergaments ge-licb werden. Sie erhalten die rauhe, sischhautartige Beschaffenheit künst-u/' 3u dem Ende bestreut man die, in Rahmen gespannte, vorher reinge-^^^Haut, mit den harten, eckigen Samen gewisserM eld en (Llienopoäinmwelche etwa von der Größe der Mohnkörner sind und drückt dieseben,^ ^ reten mit den Füßen oder mittelst einer Presse in die Haut ein. Nach& Trocknen und Abschütteln der Samen bleiben Vertiefungen und zwischender cs en Erhöhungen zurück. Sie würden beim Feuchtwerden und Aufquellenblech ^ wieder verschwinden und werden erst durch die folgende Operation in^wandelt. Man schabt nämlich die Erhöhungen — welche der na-so '^ Oberfläche der Haut entsprechen — mit einer Art Schlichtmond ab,leub?»/^ fast verschwinden. Weicht man nunmehr die Haut in eine schwel-drück °^ Un ®' gewöhnlich Sodalösung, so quellen die Stellen, die vorher Ein-fcfiniJ h5aren ' nunmehr als bleibende Erhöhungen auf, welche über das abge-** .*»«» hervorragen.
Ktipr. me Nachahmung des orientalischen Chagrins sind die durch Pressen mit^platten oder Metallwalzen gekörnten, gewöhnlichen Leder.