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Zweiter Band.
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Gärberei, Theorie derselben. 591

eine bloße Aeußerung der Flachenanziehung, wie z. B. die Wirkung derKnochenkohle, erscheinen, welche ja ebenfalls in vielen Fallen die chemischeVerwandtschaft überwindet. Es ließe sich daraus eher erklären, wie dieBindegewebfaser einen von ihr aufgenommenen Stoff zwar so fest haltenkann, daß ihn weder einfache Lösungsmittel noch kräftige chemische Agentienentziehen, diesem Stoff aber zugleich gestattet — gerade als ob er frei wäre —beliebige Verbindungen einzugehen, die dann ebenfalls auf der Faser befestigtbleiben. Die Garbsaure der Eichenlohe z. B. kann der Hautfaser durch alkali-sche Lösungen nicht entzogen werden, aber sie nimmt, ohne von der Faser zulassen, mit der größten Leichtigkeit Eisenoxyd aus dessen Salzlösungen auf undgiebt schwarzes Leder. Noch schwieriger sind manche andere mit der Lederbildungin Verbindung stehende Erscheinungen zu erklären. Dahin gehört der Umstand,daß die Haut durch Garbung die Fähigkeit verliert, zu faulen. Auch ist diegroße Zersetzbarkeit der Gallapfelgarbsaure bekannt; sie existirt in wässerigen Lö-sungen nicht anders, als in Zersetzung begriffen; demungeachtet hört diese Nei-gung der Garbsaure in Verbindung mit der Haut, selbst unter dem Einfluß derLust und Feuchtigkeit, plötzlich auf; das hellfarbige mit Gallapfel gegarbte Lederdunkelt unter den Umstanden jener Zersetzung nicht nach. Die leichtzersetzbareGarbsaure der Gallapfel hemmt sogar die begonnene Faulniß der Haut.

Das Eigenthümliche und Besondere dieser widersprechenden Erscheinungen @«r6<m, ,mfi’nbet sich nur in der Färberei wieder. In der That führt alles in der Garbereibekannte zusammengenommen zur Ueberzeugung, daß diese nur ein specieller Fall^ Färberei, daß sie die Färberei der Bindegewebfaser der Haut ist, aber mit^Uem andern Zweck. Der Färber befestigt Stoffe auf der Faser, um gewisse«arbenerscheinungen hervorzubringen; der Garber thut dasselbe und nach demsel-/u Princip nicht um der Hautfaser diese oder jene Farbe, sondern lediglich, um'br diejenigen Eigenschaften zu geben, welche das Wesen des Leders ausmachen.

Die Fähigkeit der Hautfaser, Stoffe aus Auflösungen auf ihrer Oberflache^ verdichten und niederzuschlagen, ist überaus groß, so daß es kaum einen inFärberei vorkommenden Stoff geben dürfte, den sie nicht aufnimmt; sie steht! n dieser Beziehung auf gleicher Linie mit der Seide und der Wolle. Eins istödesten wohl zu bemerken: so zahlreich die Verbindungen sind, die die Haut ein-so ist doch die Anzahl derer, welche man Leder nennen kann, ziemlich be-dankt. Nicht alle Farbeprocesse, welchen man die Haut unterwirft, liefern Le-sondern nur einige. Allem Anschein nach ist der Unterschied zwischen Lederden Hautverbindungen, die nicht als Leder angesprochen werden können, ein^ äußerlicher und zufälliger. Die Stoffe, welche Leder geben, verhindern^wljch die Faser, sich beim Trocknen so zu verhalten wie in der frischen Haut;tj e übrigen hindern die Faser nicht, wenn sie damit verbunden werden, gerade so^"iUschrumpftn und eine steife, durchscheinende, hornartige Masse zu bilden, alsH unverändert wäre. Es ist schon erklärt worden, daß dieser hornartige Zu-h^° «'41 von einem wirklichen Verlust der Faserstcuctur, sondern allein davon^^uhrr, daß die Fasern wahrend des Trocknens fest aneinanderkleben. In man-Ct n Fallen tritt dieser hornartige Zustand gar nicht mehr ein (lohgahres Leder);nun in andern Fallen durch mechanische Operationen, d. h. durch gewaltsame