Leimsiederei. Allgemeines. 597
Sonach weisen die Analysen keinen, oder keinen größeren Unterschied in demBetrag dieser vier Elementarstoffe nach, als den unvermeidlichen Beobachtungs-fehlern entspricht; in Bezug auf diese vier Stoffe waren die leimgebenden Ge-bilde untereinander, sowie die daraus entstandenen Gallertarten unter sich alsgleich anzusehen und fände bei dem Uebergang des ersteren in Gallerte keine Aen-derung des chemischen Bestandes statt. Die vorstehenden Analysen sind jedochkeineswegs der wahre Ausdruck des chemischen Bestandes, denn die leimgebendenGebilde enthalten noch Schwefel und Phosphor und größere Quantitäten vonAschenbestandtheilen, die darin schwerlich unwesentlich oder zufällig sind- Vonder (Hausenblasen-) Gallerte weiß man, daß sie 0,56 Proc. Schwefel und einegewisse Menge phosphorsauren Kalk in Verbindung erhalt, welcher letztere an derEigenschaft, gallertartig zu gerinnen, einen ganz bestimmten Antheil nimmt.
Die Gallerte, wie man sie unmittelbar durch Kochen der genannten Stoffeerhalt, besitzt an und für sich noch nicht die Eigenschaften, welche in den Augendes Gewerbsmanns den Leim charakterisiren; sie erhalt diese Eigenschaft erst durchdas Eintrocknen. Es sind mithin dreierlei Dinge zu unterscheiden: die leim-gebenden Gebilde, die daraus gekochte Gallerte und der Leim.
Das Verhalten der Gallerten und der Leimarten aus verschiedenen leimge- Dbenden Gebilden bietet — obgleich sie in denjenigen Eigenschaften übereinkom-men, die der Chemiker als die wesentlichen ansehen muß —> gewisse für diePraxis sehr wichtige, bis jetzt nicht erklärbare Verschiedenheiten dar, die nicht vonäußeren Umständen, Bereitung u. bergt, abhängen. So ist die Umwandlungder Haut (des Coriums) in Gallerte viel schwieriger und zeitraubender, als die^r thierischen Knochensubsianz oder gar der Fischblase; der Leim aus Haut be-% dagegen eine Klebkrast, welche höchstens von der des Knochenleims erreichtb>ird, aber die der andern Leimarten, besonders die des Fischleims, weit hinter sichZurücklaßt. Auch die zur Umwandlung in Gallertlösung nothwendige Tempeca-fllc ist für verschiedene leimgebende Gebilde nicht dieselbe und für dasselbe Ge-Mebe nach Alter u. dergl. verschieden. Ebenso verhalt es sich mit der Festigkeit“ Cc aus gleich concentrirten Lösungen gestehenden Gallerte von verschiedenen Ge-Meben. — Die Umwandlung geht bei allen leichter und rascher vor sich in an-dauerten, Wasser oder sehr verdünnten Sauren, als in bloßem Wasser; amschnellsten in concentrirter Essigsaure.
Die reine Gallerte ist färb-, geruch-, geschmacklos, durchsichtig, ohne Reac-"°N auf Pflanzenfarben, und hinterläßt nach dem Eintrocknen eine glasige Masse^ denselben Eigenschaften, die durch den auffallenden Zusammenhang ihrer^eile ausgezeichnet ist; sie lost sich weder in Alkohol, Aether, noch fetten Kör-
auf. In kaltem Wasser schwillt sie wieder zu Gallerte auf ohne sich zuasin, aber bei einer Temperatur zwischen etwa 40° C. und 50° C. zerstießt sieeiner siltrirbaren Lösung, welche nach dem Erkalten wieder zu fester Gallerte® c N>t, wenn kein zu großer Uebecschuß an Wasser vorhanden war; mit ihrem"Ofachen Gewicht Wasser soll dir Gallertlösung noch gestehen,^ in dem 150fa-^en gelöst nur eine gallertige Flüssigkeit bilden. Dieses Verhältniß, sowie die^uflosungstemperatur der Gallerte, ist übrigens unter gleichen Umständen sehr" ihrem Ursprung und von der Darstellung abhängig. — Beim Kochen ändert
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