Vegetabilische Gespinnstfasern. Flachs. 623
Nehmen; alsdann ist es Zeit, häufig Probe zu nehmen. Der gahre Flachs wirdsofort ausgewässert, um den letzten Rest von Säure wegzunehmen, durch einBad aus 1 Thl. Pottasche mit lOOOOTHln. Wasser genommen, getrocknet undgehechelt. Bei dem Rouchon'schen Verfahren entwickelt sich ein schwacherUnd zwar aromatischer Geruch, aber keine stinkenden Gasarten.
Der ungeröstete Flachs ist schwieriger aus der Breche, Schwinge und He-chel zu bearbeiten, schwieriger oder doch mit größerem Wergabsall fein zu he-cheln; er giebt eine härtere, rauhere, weniger glänzende Faser, welche sichZwar weit leichter bleichen laßt, aber dann weder mehr wiegt, noch fester ist, alsgeröstetem Flachs.
Sonst ist statt der Röste noch versucht worden -. Eingraben des Flachsesauf eine Zeitlang in die Erde, Dampfen mit gespanntem Dampf, Behandelnu>it Weingeist u. a. m., aber ohne bleibenden Erfolg.
Vermittelst der Vorbereitung durch die Röste ist der Flachsstengel in einenZustand versetzt, in welchem die Faser von dem Holz mit Erfolg getrennt wer-ben kann. Bei einem gewissen Grade der Trockenheit nämlich ist der Holzkernbor Stengel sehr spröde und brüchig, der Bast ebenso biegsam und geschmeidig;bliest man einen Stengel mehrfach ein, so wird letzterer ganz bleiben, der erstereaber in viele Stücke brechen, die theils von selbst abfallen, theils durch ander-weitige mechanische Behandlung beseitigt werden können. Dabei ist wohl zu be-achten, daß durch Ueberschreitung des richtigen Grades (etwa 5go 6.) der Trock-nung dje Faser selbst mürbe wird, bei dem sogenannten Brechen vielfach zerreißt,durz wird und in's Werg geht.
Wenn das Dörren des Flachses in der Sonnenhitze geschehen kann, so ist^s jedenfalls vorzuziehen, weil alsdann jene Ueberschreitung von selbst ausge-ichlossen ist. Durch Wetter und Jahreszeit ist man aber meist genöthigt, seineAussucht zu künstlicher Warme zu nehmen. Die roheste und verbreitetste Vorrich-Uug dazu sind die »Rostgruben« : man bedeckt eine von der Seite zugang-'che Vertiefung mit einem Rost von Stangen oder Reisern, worauf der FlachsAbreitet wird, und unterhalt auf dem Boden ein mäßiges Feuer. Sonst benutztauch wohl den Stubenofen zum Dörren, oder eine eigens durch einenwn geheizte »Dörrhütte«, oder endlich die bei andern Gelegenheiten slbi^ende Warme, indem man die Dörrhütte mit Backöfen und dergleichen in^ecbindung fetzt. In jedem Falle ist es nachtheilig, den Flachs warm zu bre-^n, und daher rathsam, ihn zuvor eine kurze Zeit an der Luft liegen zu lassen,die Faser etwas Feuchtigkeit angezogen und damit ihre Geschmeidigkeit wie-C eingenommen hat.
5 jj, Die Gefahr des Zerreißens der Faser beim Brechen, wodurch sie mehr in'szgeht und mithin an Werth verliert, ist damit nur gemildert, keineswegsl>gt. Sie kann noch weit mehr durch die in vielen Gegenden übliche Vorar-
das »Klopfen« oder »Pochen« gemindert werden. Auf der ebenen*eines als Amboß dienenden Holzklotzes klopft man den Flachs bündcl-b ’se Mit einem mehrere Pfunde schweren Hammer. Statt dessen dient auch°bl eine Stampfmühle (»Pockmühle«). Der Hammer oder die Stampfen wir->ehr auf die Theilung d.r Fasern der Bastbündel und quetschen den holzigen
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