Band 
Zweiter Band.
Seite
737
JPEG-Download
 

Pffanzeufarbstoffe, rothe. 737

der Engländer*); die Fabrikation der Orseille, lange ein Geheimniß der Flo-R°'b-Sl-ch>renriner, ist durch Rosetti (vergl. S. 720) bekannt geworden.

Damals war man, wahrscheinlich seit lange, mit einer wichtigen Thatsachevollkommen bekannt, nämlich: daß die verschiedenen Flechten an sich keinenFarbstoff enthalten, daß dieser vielmehr erst durch Kunst und zwar durch denEinfluß von Alkalien und der Luft daraus entwickelt wird. Die zahlreichen undausgedehnten Forschungen der neueren Chemie (durch Robiquet, Heeren,

Kane, Schunck, Rochleder und Heldt, Knop, Stenhouse) über dieFarbeflechten, sind aus dem gemeinschaftlichen Streben hervorgegangen, den Zu-sammenhang jener beiden Punkte zu ermitteln, und haben darüber höchst in-lereffanle Aufschlüsse, aber auch neue Fragen und manche Verwirrung gebracht.

^ie zeigten, daß aus den fraglichen Flechten eigenthümliche, ungefärbte undkeystalljsirbare Körper geschieden werden können, die erst durch Umsetzung unter^n genanten Einflüssen in den Farbstoff übergehen.

Aus im Vogelsberg gesammelten Flechten, die aus mehreren Arten von MnLeca ”° r »

r . U. Variolaria.

^ecanora, vanolana und verwandten Geschlechtern bestanden, schied Schunck^irch Ausziehen mittelst Aether (neben zwei anderen in geringer Menge vorhan-denen Stoffen) einen ungefärbten, krystallisirbaren, in Wasser unlöslichen, außer'v Aether auch in Alkohol und Essigsäure löslichen Körper, die Lecanorsäure .(Lecanorin) — C 32 H 28 0 14 -f 2H s O oder C 32 H 38 0 I6 , eine Säure, welcheHeldt und Rochleder auch aus der Evernia prunastri darstellten. Die^canorsäure zerlegt sich mit den Basen der Alkalien und Erden, in der^älte langsam, in der Siedhitze rasch in Kohlensaure und einen neuen Körper,dasOrein**) — C 14 H 16 0 4 , denn C 3S H 31 O ie - 2 (C 14 H 16 0 4 -f 2CO ä >ohne Gegenwart von Alkalien durch bloßes aber lange fortgesetztes KochenWasser erfolgt dieselbe Zersetzung. Das Orcin, welches stets unter den Zer-l^bungsproducten der sarbegebenden Stoffe der Flechten auftritt, war schon^vher von Robiquet in der Variolaria dealbata***) in dem weingeistigen))vszuge dieser Flechte aufgefunden worden. Er zeigte, daß, wenn man eine Aufl-ösung von Orcin in Wasser mit Ammoniak verseht und an der Lust stehenunter Aufnahme von Sauerstoff eine tiesdunkelrothe Flüssigkeit entsteht;

68 setzt sich das Orcin, mit den Bestandtheilen des Ammoniaks und mit Sauer-in Wasser und einen eigenthümlichen farbigen Körper, das Orcein —/>*i 14 N s 0 6 , um, welches sich sofort mit dem überschüssigen Ammoniak ver-ödet (C 14 H 16 0 4 -f N 2 H 6 0 6 = C 14 H I4 N 2 0 6 + 4II a 0 f). Neben

*) Die englische Bezeichnung 6uädear soll von dem Namen des Erfinders Cut-berth Gordon herkommen.

Stehnouse nennt es Alpha-Orcin, im Gegensatze zu dem Veta-Orcin =C ie H so 0 4 , einem Zersetzungsproduct der Usninsäure durch trockene Destillation.^ Neben einem anderen, mit Ammoniak an der Lust sich nicht färbenden, Stoffe,dem Variolin.

Die bis dahin für die Flechtenstoffe angeführten Formeln find die von Laurentvvd Gerhardt berechneten.

47