Der Krapp.Verhältniß
Bestandtheilezu einander.
751 Sechste Gruppe. Bekleidungsgewerbe.
ihrer Entstehung mit einander verwandte Körper, daß sie mit anderen WortenProducte einer chemischen Umgestaltung sind, die ihren Ausgangspunkt in einerbesonderen, der reifen Krappwurzel eigenthümlichen Substanz hat. Gerade dieseSubstanz, diese Mutter der Farbstoffe, ist durch die vorhandenen Untersuchungenüber den Krapp am wenigsten aufgeklart. Wie im Vorhergehenden gezeigtwurde, erkennt Rochleder die von ihm beschriebene Ruberythrinsaure als denKörper, woraus das Alizarin entstehe; ebenso ist angegeben worden, wie Stre-cker und Wolfs die Umwandlung desAlizarins in Purpurin glauben erklärenzu müssen. Higgin nimmt als die Mutter der Farbstoffe das Tanthin anund schließt aus seinen Beobachtungen, daß aus dem Tanthin (nach Rochle-der unreine Ruberythrinsaure) nicht durch Oxydation, sondern durch eine Artvon Gährung, zu welcher ein stickhoffhaltiger Körper das Ferment abgebe, nach-einander zuerst Rubiacin, dann Alizarin*) hervorgehe. Er stützt sich dabei aufBeobachtungen, die er jedoch nicht mit im isolirten Zustande dargestelltenKrappfarbstoffen, mit reinem Tanthin und Rubiacin, sondern mit gewöhn-lichem, käuflichen Krapp gemacht und in keiner Weise analytisch geprüfthat. Er will gefunden haben, daß ein frisch mit kaltem Wasser bereiteter Aus-zug von Krapp, auf die Zeuge gebracht, zuerst süß, dann bitter schmecke undBaumwollenzeug tief gelb, wie -kanthin, färbe. Im Verlauf von 1 bis 2 Stun-den werde ein solcher Auszug gallertartig, setze einen orangerothen intensivfärbenden Niederschlag ab, schmecke nunmehr rein süß, nicht mehr bitter, undfärbe jetzt blaßröthlich, ohne Beimengung von Gelb. Wenn man die eine Hälfteeines solchen Auszugs sogleich, die andere nach längerem Stehen untersuche, stfinde man in jener nur Lanthin, in dieser nur Rubiacin und Alizarin.von Alizarin völlig befreiten Auszügen finde sich dieses nach mehrstündige^Stehen aufts Neue. Eine Temperatur zwischen 50" und 60" sei für diese Gah-rung die günstigste, die ganze Umsetzung sei dann in einer halben Stunde voll-endet. Dagegen zerstöre die Siedhitze das Ferment, so daß ein mit siedende^Wasser bereiteter Auszug selbst nach längerer Zeit keine Veränderung zeige.suche mit den reinen Farbstoffen müssen zeigen, ob die von Higgin gezogen^Folgerungen richtig stehen oder nicht.
Obwohl , man keine genauen Analysen des Krapps besitzt, so weiß man dostmit Sicherheit, daß der Betrag der nutzbaren, färbenden Theile einige Procenttnicht übersteigt. Der Verkehr und Verbrauch von Krapp ist daher mit eine>uBallast werthloser Bestandtheile behelligt, der Transportkosten verursacht unzum Theil aus Stoffen besteht, die den Farbstoff maskiren, einschließen und \seine vollständige Ausbeute verhindern, oder die erzeugten Fürbentöne beeintracytigert und eine kostspielige Reinigung derselben erfordern. Dem daraus esprungenen Bedürfnisse, die Beseitigung der unnützen oder schädlichen Besta»^theile noch weiter zu treiben, als dies in den Krappmühlen geschieht, und stFärberei ein Fabrikat von höherem Gehalt und reinerem Farbstoff zu liest ^hat man in mehrfacher Weise zu genügen gesucht. Es entstanden so weh
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*) Das Präparat, welches Higgin in seiner Untersuchung für Alizarin hielt,übrigens nur ein Gemenge von Alizarin und Purpurin.