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Phyto- und Zoochemie / Leopold Gmelin ; bearb. und hrsg. von C. G. Lehmann und Dr. Rochleder
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Ueber das Reifen der Früchte.

gepflückten Früchte, wenn Ihre Stiele in Wasser gesteckt werden. Bei Nachtnehmen die Früchte Sauerstofl'gas auf und hauchen Kohlensäure aus wie dieBlätter. Dabei ist die Menge von Kohlensäure, die sie zu zersetzen vermögen,grösser als die Menge, welche sie in der Dunkelheit aushauchen.

Die reifen oder fast reifen Früchte, vom Stamme getrennt, verwandelndas Sauerstofl'gas der umgebendeu Luft in kohlensaures Gas und gehen dabeiin den reifen und mürben Zustand, dann In Gährung über. Während demBraun- und Mürbewerden der Aepfel- und Birnen tritt auch Kohlensaureent-wlcklung auf Kosten des Kohleu- uud Sauerstoffs der Früchte ein. Bkhakd.

Bei dem Reifen der Früchte nimmt Ihr Blattgrün ab, an dessen Steiletritt gelber oder rother Farbstoff; die Menge des Zuckers wird vermehrt, dasGummi nimmt bald zu, bald ab; die Holzfaser nimmt absolut etwas zu, rela-tiv aber ab; die Aepfelsäure nimmt absolut immer und relativ meistens zu,doch wird ihr Geschmack durch den Zucker gedeckt, das Wasser nimmt ab-solut zu, aber relativ ab. Beim Braunwerden der Früchte nimmt die Zucker-menge zuerst beträchtlich zu, danu bedeutend ab, ebenso wird die Menge vonGummi uud Holzfaser vermindert, letztere braun und moderartig. Bkkahd.

Bkhakd hat folgende Tabelle über diese Verhältnisse entworfen.

Sommerpfirsich. Reineclaude. Aprikosen.

unreif

reif.

unreif.

reif.

unreif, etwas reifer, reif.

Harziges Blattgrün

0,27

0,0

0,03

0,03

0,04

0,03

Gelber Farbstoff .

0,10

Zucker ....

0,63

11,61

17,71

24,81

Spur

6,64

16,48

Gummi ....

4,22

4,85

5,53

2,06

4,10

4,47

5,12

Holzfaser ....

3,01

1,21

1,26

1,11

3,61

2,53

1,86

Thlerische Materie

0,41

0,93

0,45

0,28

0,76

0,34

0,17

Aepfelsäure . . .

1,07

1,10

0,45

0,56

2,70

2,30

1,80

Kalk.

0,03

0,06

Spur

Spur

sehr geringe Menge

Wasser ....

90,31

80,24

74,57

71,10

89,39

84,49

74,87

100,00 100,00

100,00

100,00

100,60

100,80

100,40

100 Thelle unreife Sommerpfirsiche

würden 179 Theile reife geliefert haben;

100 Theile unreife Reineclaude 129 reife;

100 Theile unreife Aprlcosen 200 Theile reife.

Stachelbeeren.

Kirschen.

Birnen.

unreif.

reif.

unreif.

reif.

hart.

weich.

mürbe.

Harziges Blattgrün

0,03

0,05

0,08

0,01

0,04

Rother Farbstoff

wenig

unbestimmt

Zucker ....

0,52

6,24

1,12

18*12

6,45

11,82

8,77

Gummi ....

1,36

0,78

6,01

3,23

3,17

2,07

2,62

Holzfaser ....

8,45

8,01

2,44

1,12

3,80

2,19

1,85

Thlerische Materie

1,07

0,86

0,21

0,57

0,08

0,21

0,23

Aepfelsäure . . .

1,80

2,41

1,75

2,01

0,11

0,08

0,61

Citronsäure . . .

0,12

0,31

Kalk.

0,24

0,29

0,14

0,10

0,03

0,04

Spur

Wasser ....

86,41

81,10

88,28

74,85

86,28

83,88

62,73

100,00

160,00

100,00

100,00

100,00

100,00

76,95

Bei den Stachelbeeren sind unter der Holzfaser auch die Kerne nebstder Fflanzengallerte begriffen. Die harte Birne war eine reife, gleich nachder Abnahme vom Baume analysirte; die welche war dieselbe Art, einigeZeit ln Luft aufbewahrt, deren Sauerstoff sie ohne Volumveränderung in koh-lensaures Gas verwandelte und wobei sie, unter Verlust von 0,77% Kohlen-stoff, soviel reicher an Zucker und soviel ärmer an Gummi und Holzfaserwurde. Die 'mürbe Birne war von derselben Art und so lange hingelegt,bis sie mürbe und braun geworden war, wobei sie von 100 Theilen auf 76,85reducirt wurde.