150
Allgemeine Geschichte der Chemie.
ausgemachte Wahrheit hingestellt. Viel umfassender indeß faßte Becherdie Erklärung dieses Vorgangs auf; er betrachtete die Verkalkung der Metalleals eine der Säuerung des Schwefels analoge Erscheinung, und nahmauch in den ersteren ein verbrennliches Princip, seine brennbare Erde, an.
B,Gründung. Noch weiter ausgeführt wird nun diese Theorie durch Stahl, und in einerVollendung hingestellt, wie sie nach dem damaligen Zustande der Kenntnissenicht genügender verlangt werden kann. Stahl faßt die Veränderungaller Körper durch Feuer, der organischen wie der Metalle und aller, dieüberhaupt verbrennlich sind, als eine und dieselbe Erscheinung zusammen;er leitete die gemeinsame Eigenschaft von Einem gemeinsamen Bestandtheilealler verbcennlichen Körper, den er Phlogiston nannte, ab. Je an-haltender und heftiger eine Substanz die Verbrennungserfcheinung zeigt, umso reicher ist sie an Phlogiston; so enthält die Kohle vorzüglich viel vondiesem Stoff. Das Phlogiston ist nach Stahl in Schwefel und Phosphorwie in den Metallen enthalten; Austreiben des Phlogistons ist Verbrennung,und läßt erkennen, welches die anderen Bestandtheile eines Körpers sind; dieErfahrung zeigt uns so, daß in Schwefel und Phosphor eine Säure, in denMetallen kalkige Körper (Oxyde) mit dem Phlogiston verbunden sind. Werdendiese Säuren oder diese Metallkalke mit einem an Phlogiston reichen Stofferhitzt, so tritt das Phlogiston von dem letztem an erstere, es entsteht wiederdie Verbindung der Säure des Schwefels oder Phosphors, oder des Metall-kalkes mit Phlogiston, es entsteht wieder Schwefel oder Phosphor oder einregulinisches Metall.
Dies ist das Wesentlichste der Phlogistontheorie, soweit sie von Stahlentwickelt wurde. Die Existenz des Phlogistons wird von ihm nur indirectbewiesen; sie wird supponirt, aber die Annahme wird nicht dadurch zu unter-stützen gesucht, daß man diesen Stoff im isolirten Zustande darzustellensucht. Die Theorie erhielt einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit nurdadurch, daß bis zu Stahl's Zeit und lange nachher keine andere auf-gestellt wurde, welche die verschiedenartigsten Beobachtungen so einfach undscheinbar naturgemäß zu erklären vermocht hatte. Das Phlogiston ist inStahl's Lehre eine hypothetische Substanz, aber eine solche, deren Existenzdessenungeachtet so unzweifelhaft ist, daß zum Beweis die isolirte Dar-stellung derselben kaum nöthig erscheint. — War die Existenz eines solchenKörpers einmal angenommen, und doch seine Wirkungen nur indirectwahrnehmbar, so lag es nahe, auch andere Eigenschaften der Körper, als