Verhältniß derChemie zur 2ll-chemie.
158 Allgemeine Geschichte der Chemie.
keine wissenschaftlichen Gründe für die Metallverwandlung finden, so ziehenviele auch die angeblichen historischen Beweise dafür in Zweifel, und die Che-miker decken die Betrügereien der Alchemisten auf; die Chemie ist jetzt nichtallein von der Alchemie getrennt, sondern in diesem Zeitalter beginnt sie inoffenen Widerspruch mit der letztem zu treten, an der Vernichtung des al-chemistischen Glaubens zu arbeiten. Und in der That, wie wir dies in derspeciellen Geschichte der Alchemie im II. Theile ausführlicher sehen werden,wird die Grundlosigkeit der Alchemie noch in diesem Zeitalter so nachdrück-lich zu beweisen gesucht, daß dem folgenden, was gänzliche Widerlegung derGoldmacherkunst angeht, nur sehr wenig zu thun übrig gelassen wird.
Die im Vorstehenden besprochenen Eigenthümlichkeiten charakterisirendas Zeitalter der phlogistischen Theorie hinlänglich. Die selbststandige Rich-tung, welche die Chemie während desselben, im Gegensatz zudem vorher-gehenden Zeitalter, einschlagt, wird ihr zuerst durch B o y l e mitgetheilt. Einengleich hohen Standpunkt in der Naturforschung zwar nicht erringend, aberdurch praktische Arbeiten um die Chemie hochverdient, nimmt Kunkel un-sere Betrachtung in Anspruch; gleichzeitig mit ihm legte Becher den erstenGrund zu einer allgemeinen Verbrennungstheorie, und Homberg und Le-rn e r y fördern die Chemie durch neue Wahrnehmungen oder durch thätigeVerbreitung dieser Wissenschaft. — Stahl bildet die Ansichten über dieVerbrennung zu einer vollständigen Theorie aus, und läßt das phlogisti-sche System zu dem herrschenden werden; Hosfmann bereichert dieChemie durch viele Untersuchungen und ist, wie auch Boerhave, für ihreAusbreitung thätig. Als Anhänger des von Stahl eingeführten Systemssind in Deutschland besonders Neumann, Eller, Pott, Marggrafals die einflußreichsten zu nennen; in Frankreich sind aus der Zeit nach derAnnahme der phlogistischen Theorie Geoffroy, Hellet, Duhamel undMacquer hervorzuheben. Das Zeitalter dieser Theorie beschließt die Thä-tigkeit von Black, Cavendish und Priestley in England, von Berg-man und Scheele in Schweden; zu ihrer Zeit wird bereits die phlogi-stische Theorie bekämpft; sie sind die letzten ausführlicher hier zu schilderndenRepräsentanten derselben, und die Chemiker, welche nach ihnen folgen, ge-hören einem neuen Zeitalter an.
Der eigenthümliche Standpunkt, auf welchem die Chemie wahrenddieses Zeitalters sich erhalt, giebt sich auch in den äußeren Verhältnissen der