173
IV.) Zeitalter der phlogistischen Theorie
dieser Societät ihre Abhandlungen heraus; erst nachdem die Zahl der Theil-nehmenden sich vermehrt und durch alle deutsche Lander verbreitet hatte, er-schienen, von 1670 an, jährlich ihre Mscellsyes curioss «ive Lpüome-rule« meckico-pii^sicae Oermanicae ^csüemise I^aturae cariosorum.Die Gesellschaft erhielt 1672 vom Kaiser Leopold I. ihre Bestätigung,urid nannte sich nun ^csäemia Csesareo- I.co^ol<iln3. Die Schriftendieser Akademie schon aus jener Zeit enthalten vieles auf Chemie Bezügliche;mehr indeß, was den Geist der damaligen Periode von der Schattenseitekennen lehrt (da viele Abhandlungen noch ganz unter der Abhängigkeit her-Aebrachter Vorurtheile geschrieben sind, und bei der freiern Verfassung derGesellschaft überhaupt oft die erforderliche Sichtung des AufzunehmendenMcht ausführbar war), als was der Chemie zur raschem Förderung ge-eicht hätte. Die bedeutenderen Chemiker, welche Deutschland damals auszu-reisen hatte, stehen mit dieser Akademie und ihrer Zeitschrift nur in sehrentfernter Verbindung; einige chemische Beobachtungen wurden indeß dochdarin von einem Manne mitgetheilt, der durch seine Entdeckungen überhaupt,durch den hohen Ruhm, den er seiner Zeit als Chemiker genoß, hier eineausgedehntere Betrachtung in Anspruch nimmt. Kunkel, ein Zeitgenosse^oyle's, förderte die Chemie durch eine Menge wichtiger Beobachtungen,^nn er auch leider dem englischen Gelehrten an Gelehrsamkeit und an demvermögen, sich von Vorurtheilen loszureißen, nachstand.
Johann Kunkel war 1630 zu Rendsburg in Holstein geboren, wos°m Vater als Scheidekünstlcr und Alchemist von dem Herzog unterhaltenwurde. Er beschäftigte sich schon früh mit der Chemie, mit der technischensowohl als auch mit der pharmaceutischen, nahm indeß zugleich jetzt schonAlchemistische Begriffe in sich auf, welche später vielen seiner Forschungen^Ue schieft Richtung gaben. Dieses Streben, welches er unverdrossen ver-sagte, und seine unter den damaligen Alchemisten nicht häufig gefundeneRedlichkeit, bestimmten meist seine Lebensverhältnisse; er diente vorzugsweiseden Fürsten, die an die Möglichkeit der Goldmacherkunst glaubend eineniuverlässigen Mann auf ihre Kosten arbeiten lassen wollten. So kamK un-del schon 1654 in die Dienste der Herzoge Franz Karl und JuliusHeinrich von Lauenburg, als Kammerdiener, Chemist und Aufseher derHos - und Leibapotheke. Mit seinen Herren untersuchte er viele Processe,^'e man angeblich Gold erhalten könne, ohne daß jedoch ein günstiges Re-
Leben.