Band 
Erster Theil.
Seite
306
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Allgemeine Geschichte der Chemie.

gen hatte, keine Erwähnung eines besondern Theils der Luft, welcher aus-schließlich die Verkalkung hervorbringt, mit Einem Worte, noch keine Kennt-niß des Sauerstoffs. Aber in demselben Jahre 1774 wurde Lav visiervon Priestlcy, bei dem Aufenthalt des Letztem in Paris, mit dem vondiesem kurz zuvor entdeckten Sauerstoffgas bekannt gemacht, und diese Ent-deckung wurde in Lav visier's Handen sogleich fruchtbar. Im Jahr 1775erschien ein Aufsatz von ihm über den Bestandtheil, welcher sich mit den Me-tallen während ihrer Verkalkung vereinigt und ihr Gewicht vermehrt, undhier findet sich das Sauerstoffgas in seiner Bedeutsamkeit für die Chemiezuerst gehörig gewürdigt. Lavoisier suchte hier zu zeigen, daß das Sau-erstoffgas zur Verkalkung unerläßlich ist, und daß es die Verbrennung über-haupt in einer Art begünstigt, welche es als eine nothwendige Bedingungdes Verbrennungsprocesses erkennen laßt. Er stellte das Sauerstoffgas durchErhitzen von Quccksilberoxyd dar, gerade wie es Priest ley gethan hatte,und dieses Verfahren zeigte zugleich die Zusammensetzung des Quecksilber-kalks durch einfache Zerlegung desselben, und ließ einen Schluß auf die ana-loge Zusammensetzung aller anderen Mctallkalke ziehen.— Lav visier zeigteaußerdem in dieser Abhandlung, daß die fixe Luft (die Kohlensäure) eine Ver-bindung von Kohle mit Sauerstoff sei, da bei dem Erhitzen von Kohle mitMetallkalk regulinisches Metall zurückbleibt, und fixe Luft entweicht, die alsoaus Kohle mit dem andern Bestandtheile des Metallkalks besteht; er sprachaußerdem auch aus, daß dieser Bestandtheil in dem Salpeter enthalten ist,da dieser durch Erhitzen mit Kohle fixe Lust abgiebt.

Auch hier ist zu bemerken, daß Lavoisier bei der Beschreibung seinerVersuche die Entdeckung des Sauerstoffgases als eine ihm eigenthümlicheerscheinen läßt. Priestley's und seiner Mittheilung an Lavoisier wirdmit keiner Sylbe erwähnt, und später gestand selbst Lavoisier dem eng-lischen Chemiker nur die Gleichzeitigkeit der Entdeckung zu (vergl. die specielleGeschichte des Sauerstoffs).

In Verbindung mit der eben erwähnten Ansicht Lav visier's überdie Zusammensetzung der fixen Luft stehen die Versuche, welche er1775 und 1776 über die Verbrennlichkeit des Diamants anstellte. Dirfrüheren Untersuchungen über diesen Gegenstand übergehe ich hier; jLavoisier constatirte es zuerst, daß der Diamant zu seiner Verbren-nung nothwendig des Zutritts von Luft bedarf, daß er sich also nickstetwa durch starke Hitze nur verflüchtigt, sondern wirklich verbrennt. Um zu