Proust.Chemische Lei-stungen.
358 Allgemeine Geschichte der Chemie.
die constante Zusammensetzung für die chemischen Verbindungen geilendzu machen wußte. Nicht suchte er, wie dies Werth ollet gethan hatte,seine Ansicht über diesen Gegenstand durch speculativc Deduktionen annehm-lich zu machen, sondern er befragte geradezu die Erfahrung, erhielt aberbestimmte und sehr positive Antworten, welche gegen Werth ollet sprachen,wahrend viele seiner Zeitgenossen in ihren schwankenden und unsicheren Resultatennur Bestätigungen der Berthollet 'sehen Theorie gesehen hatten. Proustwußte, um die Streitfrage zu entscheiden, zwei Punkte vorzüglich zu ver-meiden, welche seinen Gegnern immer unterliefen; die Fehlerquellen derMethoden, um die Zusammensetzung chemischer Verbindungen zu bestimmen,und die Verwechselung mechanischer Gemenge mit chemischen Verbindungen.Zn ersterer Beziehung wußte er aus seinen Untersuchungen numerische Resultatezu ziehen, welche noch jetzt unter den brauchbaren angeführt werden; mitScharfsinn fand er die Ursachen auf, welche viele Andere zu falschen Fol-gerungen verführt hatten. So bedienten sich viele seiner Zeitgenossen zurUntersuchung von Oxyden des Mittels, nur das darin enthaltene Metall zubestimmen; für Alles, was einem Oxyde ähnlich sah, wurde diese Unter-suchungsmethode angewandt, und der Rest für Sauerstoff gerechnet; aufdiese Art hatte man denn auch für alle Metalle eine ansehnliche Anzahlintermediärer Oxyde von ganz allmälig in einander übergehender Zusam-mensetzung gefunden. Proust wieß hier nach, daß viele dieser Unter-suchungen nicht reine Oxydationsstufcn, sondern Hydrate zum Gegenstandshatten, und er studirte auch diese letztere Klasse von Verbindungen genauer;schon auf diese Weise führte er die Zahl von nur der quantitativen Zu- -sammensetzung nach verschiedenen Verbindungen auf eine geringere zurück.Noch mehr vereinfachte sich dieselbe aber, da er auch viele früher als eigen-thümliche betrachtete intermediäre Verbindungen als nur mechanischeGemenge weniger Verbindungen von constanter Zusammensetzung erkannte.So kam er, auf seine Untersuchungen der Oxyde und Schwefelverbindungenbesonders gestützt, zu dem Schluß, daß zwei Bestandtheile sich unter ein-ander nur in zwei Verhältnissen vereinigen können; er gab zu, daß die soentstehenden beiden Verbindungen sich wieder unter einander vereinigenkönnen, aber nur in seltenen Fallen und in wenigen Verhältnissen. Dieseletztere Erklärung suchte er z. B. geltend zu machen für die Mennige, welcheer als aus gelbem und braunem Bleioxyd zusammengesetzt betrachtete, fürdas Magneteisen und ähnliche Oxydationsstufen.