Band 
Vierter Theil.
Seite
167
JPEG-Download
 

Kupfer.

167

eine Substanz, welche bei dem Lothen des Goldes angewandt wurde, und n,b,rsim-s»

' "' ^ cvlla der Alten.

namentlich einen Körper, der aus Urin bereitet wurde (so giebt Straboan, Chrysocolla werde aus Kinderurin dargestellt), also ein (phosphorsaure-haltiges) Harnsalz. Dieses färbt sich bei dem Lothen des Goldes mit Kupferoder einer Kupferlegirung blaugrün, und dieser Umstand wohl ließ die Be-zeichnung Chrysocolla übertragen auf blaugrüne oder grüne Körper über-haupt, von welchen man erkannte, daß sie in bestimmter Beziehung zumKupfer stehen (bei dem damaligen Zustande der chemischen Kenntnisse istwohl kaum zu sagen, daß man in allen als Chrysocolla benannten Sub-stanzen wirklich einen Kupfergehalt erkannt habe). Aus einer solchen Ueber-tragung dieses Namens mußte aber nothwendig eine große Confusion her-vorgehen. So sagt Theophrast (um 300 vor Chr.) in seiner Schrifterxpc /U'-stcov (über Steine), indem er gar auch noch die BezeichnungenChrysocolla und Smaragd zusammenfaßt, daß Viele glauben, diese beidenMineralien seien einerlei Art, denn der Smaragd vereinige das Gold ebensogut als die Chrysocolla, und man wende die kleineren Smaragde auch zumLothen an. Von dem, was er hier Smaragd nennt, giebt er als einenFundort die Insel Cypern an, und von der Chrysocolla sagt er, sie findesich vorzüglich, wo Kupfergruben seien. Es ist also wohl Malachit gemeint.

— Die eigentliche Chrysocolla wird bei Dioskorides als Grünspan (co§)genannt; er sagt, ein solcher werde auch, um damit Gold zu lochen, vonden Goldschmieden bereitet, aus Kinderurin mittelst eines kupfernen Mörsersund Stößels; er spricht nicht vom Abdampfen, was ohne Zweifel noch ge-schah. Von der Chrysocolla sagt er, am besten sei die armenische, lauch-grüne, dann komme die makedonische und die cyprische; sie habe brechener-regende Wirkung. — Plinius berichtet, Chrysocolla sei eine Feuchtigkeitin den Erzgruben, welche durch die Kalte fest wie Bimsstein werde; besserekomme in den Kupfergruben, andere in Silber- und Bleigruben vor. Manmache auch künstliche, indem man Wasser wahrend des Winters auf dieBergart einwirken und im Sommer vertrocknen lasse, so daß fast alle Chry-socolla zersetzte (piNris) Bergart sei. Er unterscheidet mehrere Arten vonChrysocolla, und sagt dann, zum Goldlöthen werde auch welche gemachtaus cyprischem Grünspan und Urin. — Bei späteren Schriftstellern istdie Verwirrung fast noch größer, da einerseits grüne Kupfermineralien, an-dererseits alle Salze, die zum Lothen dienlich sind, Chrysocolla genannt wur-den , namentlich der Borax.