Ausbildung der organischen Chemie im Allgemeinen. 255Die in Klammern beigefügten Zahlen sind die, welche Gay-Lussac r»v«isi,r's
^ ' § Analysen ( 17 S 4 bi<
Und Th e'n ard 1809 für die Zusammensetzung des Baumöls fanden. 17 s»).
Lavoisier's Analysen waren also in ihren unmittelbaren Ergeb-nissen so genau, daß man sie den Versuchen aller anderen wahrend der fol-genden 20 Jahre über denselben Gegenstand arbeitenden Chemiker mindestensan die Seite stellen kann. Die Berechnung dieser Ergebnisse gab ein approxi-mativ richtiges Resultat nur für den Kohlenstoffgehalt der untersuchtenSubstanz, ein ganz irriges gab sie für den Wasserstoffgehalt, der nach dem'Mhümlich viel zu groß angenommenen Wasserstoffgehalt des Wassers zuhoch ausfallen mußte. Lav visier fand also nach seiner Berechnungsweiseiu viel Wasserstoff, und in Folge dessen zu wenig Sauerstoff; daß der letztereM dem Wachse und dem Baumöl enthalten sei, entging ihm sogar gänzlich.
Im Allgemeinen jedoch betrachtete Lavoisier die vegetabilischen Sub-stunzen als aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzt,und die Erkenntniß dieser Zusammensetzung befähigte ihn, in den (1788publicirten) Memoiren der Pariser Akademie für 1786 die Entstehung derProducte bei der trocknen Destillation organischer Körper zu erklären. DieAbhandlung handelt der Ueberschrift nach von der Zerlegung des Wassersdurch vegetabilische und animalische Substanzen. Lavoisier verfolgt hierdasselbe Ziel, welches sich Boyle, über hundert Jahre früher, vorgesetzthatte: zu beweisen, daß die Körper, welche bei der trocknen Destillation derorganischen Verbindungen auftreten, nicht als nähere Bestandtheile schongebildet in diesen Verbindungen vorhanden seien. Ein organischer Körper,welcher eine dreifache Verbindung aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauer-stoff sei und noch etwas schon gebildetes Wasser enthalte, gebe bei dem Er-hitzen Kohlensäure und brennbares Gas, indem das Wasser zerlegt werde,
Mdem überhaupt bei der Erhitzung aller vorhandene Sauerstoff sich mitKohlenstoff zu Kohlensäure vereinige, und der so frei werdende Wasserstoff,
"och etwas Kohle aufnehmend, als Gas entweiche. Oel entstehe, indemsich Wasserstoff mit mehr Kohlenstoff verbinde. So entwickelte Lavoisierben später stets anerkannten Satz, daß die bei der trocknen Destillation orga-nischer Verbindungen sich bildenden Producte nicht die näheren Bestandtheilebon jenen sind, sondern nur aus denselben, aber in verschiedenen Proportioneniu verschiedenen Körpern vereinigten, Elementen wie jene bestehen.
In welcher Weise Lavoisier solche Substanzen analysirte, die wenigerbrennbar als die oben genannten sind, weiß ich nicht. Doch muß er es