Ausbildung der organischen Chemie im Allgemeinen. 265
saure und einen ölartigen (verbrennlichen) Körper für die näheren Bestand-theile des Bernsteins. ^
Was eigentlich Lavoisier's Ansicht über die rationelle Eonstitutionder vegetabilischen Verbindungen war, deren entfernteste Bestandtheile erzuerst richtig ermittelte, ist mir nicht ganz klar. In seinem Irsite e'Io-meiiinirt: cle cln'mie (1789) sagt er von den vegetabilischen Sauren, daßfür sie bei der gewöhnlichen Temperatur die Affinität aller drei Elemente,die sie enthalten, im Gleichgewichte sei; es sei in ihnen weder Wasser, nochKohlensaure, noch Oel (Kohlenwasserstoff) enthalten; wenn man sie aberetwas über 80 o R. erhitze, so vereinigen sich Sauerstoff und Wasserstoff,um Wasser zu bilden. Hiernach würde Lav visier in den vegetabilischenSauren keine näheren Bestandtheile annehmen, und nicht einmal dasWasser, welches einige von ihnen bei dem Trocknen verlieren, als praexisti-rend betrachten. Wenn Lavoisier hier für die organischen Säuren ratio-nelle Benennungen vorschlug, die er dann für anwendbar hielt, wenn diequantitative Zusammensetzung dieser Körper genauer ermittelt sein würde,Wenn er Benennungen vorschlug, wie ncille liyllro-csrlloneux, ->ci<ie- csrlloni^ue, aciäe csrlloiiigue nxvA«»«', acille csrbono-
ü/clreux, sciiie cardone-und scillc csrllone-Ii^ctriguL oxy^one,— so sollten diese Benennungen nur die quantitative Zusammensetzung derSäuren im Vergleich zu der des Wassers und der Kohlensäure ausdrücken,nicht aber hypothetische nähere Bestandtheile andeuten. Wo er von der Zer-legung der organischen Substanzen durch das Feuer spricht, sagt er nocheinmal ganz bestimmt, in den vegetabilischen Verbindungen sei der Wasser-stoff weder mit Kohlenstoff noch mit Sauerstoff verbunden, noch umgekehrt,sondern die drei Elemente bilden eine ternare Verbindung. — Andererseitslegte Lavoisier so viel Gewicht auf den Sauerstoffgehalt der Körper, daßer sich nicht enthalten konnte, manchmal die vegetabilischen Verbindungenaus einem anderen Gesichtspunkte zu betrachten, den Sauerstoff einerseitsals mit einem Kohlenwasserstoff andererseits verbunden hinzustellen, die vege-tabilischen Sauren so den unorganischen zu vergleichen und die ersteren alsdie Sauerstoffverbindungen eines zusammengesetzten Radicals, als binäreVerbindungen, anzusehen. So glaubten damals mehrere Chemiker, einenUnterschied zwischen essichter Saure und Essigsaure (scille aceteux und »cilleacetigue; vergl. unten bei der speciellen Geschichte dieser Säure) machen zuwüssen, und in Beziehung hierauf meint Lavoisier in seinem Haite, daß,