Band 
Vierter Theil.
Seite
378
JPEG-Download
 

378 Beiträge zur Geschichte der organischen Chemie.

Er fand, daß sich hierbei ein Körper bildet, aus welchem durch oxydirendeMittel wieder Blausäure entsteht, und da er ihn auch durch Dcsoxpgenationderselben erhalten zu haben glaubte, so nannte er ihn 1809 prrmsous sciäsblauige Saure oder desoxygenirte Blausäure). 1814 bestimmte er ihre quali-tative Zusammensetzung richtig, aber er vermochte nicht, die quantitative richtigauszumitteln, ebenso wenig wie Grotthuß, welcher diese Saure ser nanntesie Anthrazothionsäure, von Kohle, Azot und fferov, Schwefel

1818 untersuchte; dies geschah erst durch Berzelius 1820.)

Unmittelbar auf Porret's Untersuchungen folgten die von Gay-Lussac, welche über die Zusammensetzung der Blausäure und der bis dahinals blausaure Salze angesehenen Verbindungen das hellste Licht verbreiteten,und für die organische Chemie noch dadurch besonders wichtig wurden, daßsie zuerst die Existenz eines zusammengesetzten Körpers außer Zweifel setzten,welcher sich doch ganz wie ein chemisch einfacher verhält. — Schon 1811hatte Gay-Lussac die reine Blausäure im tropfbar-flüssigen Zustande dar-gestellt, und ihre physikalischen Eigenschaften genau untersucht, ohne aberdamals etwas über ihre Zusammensetzung zu äußern. 1815 publicirte er seineAnalyse der Blausäure, welche die Abwesenheit des Sauerstoffs in der Mi-schung dieses Körpers dacthat. Er verglich diese Saure mit dem Schwefel-wasserstoff, und behauptete, sie sei die Wafferstoffverbindung eines zusam-mengesetzten Radicals, welches er C^anvAöne (von blau, und

erzeugen) nannte; die bisher als wasserfreie blausaure Salze be-trachteten Körper seien Verbindungen jenes Radicals mit Metallen. Erlehrte das Cyan im isolirten Zustande darstellen, und zeigte, daß der vonBecthollet bei Einwirkung des Chlors auf Blausäure wahrgenommeneund als oxygenirte Blausäure bezeichnete Körper Chlorcyan sei.

Die spateren Entdeckungen über die Cyanverbindungen können hiernur kurze Erwähnung finden, und nur die wichtigsten find hier zu berühren.

— Berzelius zeigte 1819, daß sich alle eisenhaltigen blausauren Salze alsDoppelcyanüre betrachten lassen. — Das Jodcyan entdeckte Wöhler 1821.

— Vauquelin hatte schon 1818 vermuthet, daß bei der Einwirkung desCyans auf wässerige Alkalien sich eine Verbindung von Cyan mit Sauer-stoff bilde; Wöhler wies 1822 die Existenz einer solchen C,ansäure nach,und bestimmte ihre Zusammensetzung. — Das rothe Cyaneisenkalium(Ferridcyankalium) und die aus demselben sich ableitenden Verbindungen ent-deckte L. Gmelin 1822. — Faraday condensirte das Cyan 1823. —