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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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muß, als durch Anhäufung einer Masse gelehrter Citaten bei demLeftn auf jeder Seite unterbrochen zu werden. Ich schrieb, zur Lin-derung der Volksnotb mein kleines Scherfiein beizutragen, durchausaber nicht, um selbst als Gelehrter zu erscheinen. Ich bin mir be-wußt, trotz des ernstesten Strebens, das gewünschte Ziel lange nichterreicht zu haben, ringe aber darnach, und willkommen wird mirjede wohlgemeinte Rüge sein, sobald sie auf Schwächen und Fehl-griffe hinweist, die des Verfassers Bemühen bis jetzt entgangenwaren.

Schließlich bemerke ich noch, daß auch ich möglichste Gewcrbs-und Handelsfreiheit (mit Rechtfertigung von Ausnahmgesetzen nachden jedem Lande eigenen Bedingungen, wie nach den, der verschie-denen Zweigen der Industrie eigenen Umstanden,) als die sichersteBürgschaft einer natürlichen Gestaltung der Bermögensverhältnisse,der Kräfte des gesellschaftlichen Organismus balle. Mein Strebenist nur, daß unsere Industrie in einer thatkräftigen Bestimmung einregeres Leben verbreite, die Bewohner die ihnen von Natur verlie-henen, wenn auch nicht reichlichen, doch genügenden Gaben benutzenund einen der Lage und dem Boden des Landes am Meisten zusa-genden, bleibenden Wohlstand, eine behagliche, in jeder Beziehungzufriedene Lage durch ihres Hände Arbeit sich schaffen möchten. Ichwill keine künstliche, unnatürliche Pflege des Fabrikwcscns, keine Can-crinischen Ein-, keine Colbcrtischcn Ausfuhrverbote, dort der verar-beiteten, hier der Rohstoffe, jene zur Einschläferung und Unterdrück-ung des regsten Wetteifers unter den Gcwerbtrcibcndcn, diese umsolche den Fabrikanten billig zum großen Schaden des Landbestellerszu liefern. Hierdurch würden ja die Mittel zur Abnahme der, durchdie Gewerbe und den Handel uns dargebotenen Güter eben so ge-schwächt, oder gar entzogen, wie des Landmanns Interesse an derErzeugung der betreffenden Rohprodukte. Nirgendswo soll eine Ar-beit künstlich auf eine Bahn geleitet, oder darin erhalten werden,auf welche die Natur der Verhältnisse sie nicht, oder doch zur Zeitnoch nicht lenkte. Bei keinem Erwcrbszwcig wird der einseitigenVorliebe der Spekulanten und Staatswirthe gestöhnt, vielmehr über-all dem freien Gcschäftsgciste des Volkes, die gebührende Stelle ein-geräumt werden.

Gewerb- und Handelsfreiheit schließen eine Berücksichtigung derbesonderen Verhältnisse, Kräne und Richtungen des einzelnen Volkes,