Buch 
Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
Entstehung
Seite
110
JPEG-Download
 

110

So gibt uns diese kräftigst aus sich selbst entwickelte Indu-strie ein Beispiel, wie ein emporkommender Gcwcrbszweig, auch ohnekünstliche Nachhilft des Staats, unter sonst günstigen Verhältnissendie rechte Bahn zu finden und sich ins Gleichgewicht zu setzen weiß.Das Bewußtsein, in dem Staate nie einen Rückbalt zu finden, wirkteinerseits wohlthätig aus die Elemente der Industrie, es spornt dieKräfte zu selbstständiger Thätigkeit; andererseits wird aber auch garmanches Talent, zu Höherem bestimmt, aus Mangel an Hilfsmit-teln in die Schranken der Alltäglichkeit zurückgewiesen. Der Schwarz-wälder Gewerbömann fühlt dies sehr, deßhalb betrachtet er auchdie vor Kurzem in seiner Mitte zur Ausbildung seines natürlichenKunstsinnes und Gefühls, des Geschmacks vvm Staate errichtetenGcwerbsschulen als die größte Wohlthat. Seinem praktischen Scharf-sinne, seiner glücklichen Fassungsgabc und seinem guten Willenfehlte bisher nur die Grundlage, welche sein Gewerbe auf einerationellere Weise zu betreiben gestattet.

Der Uhrmacher, Wcrkzeugfabrikant :c. vermißt noch zu sehr dieElementarbegriffe in der Mechanik und Mathematik, Ersterer zumalim Ornamentcnzcichncn, dein Schildmalcr mangelt es noch an Ge-schmack in der Malerei, dem nöthigen geläuterten Kunstsinne, seinenWaaren den Weg in die Gemächer der höheren Welt zu bahnen.Sie wetteifern zwar unter einander in Auffindung gefälligerer For-men, in Ablegung der seitherigen geschmacklosen Ausstattung, abernur ein zweckmäßiger Zeichncnunterri cht vermag durchgrei-fend und gründlich den Geschmack vollends auszubilden, die Begriffevon Ebenmaß und Verhältniß ihnen in dem Grade anzueignen, daßsie bei all' ihren Arbeiten zur unwillkührlichen Richtschnur ihnenwerden. Zeigt sich einmal mehr wahrhafte Eleganz in der äußerenForm dieser Uhren, so wird sich der Wälver seine Abnehmer auchunter den höheren, wohlhäbigeren Ständen, welche reichlicher seineArbeit vergüten, in größerer Anzahl sucken und finden, dem Absätzeseiner Produkte werden sich ganz neue Kanäle erschließen.

Laßt uns auch etwas bei dem Schauplatze dieser Jnruftrie, so-wie der Lebensweise der eigentlichen Uhrmacher verweilen. Schondas äußere Ansehen derjenigen Ortschaften, welche die Schwarzwäl-der Nationalindustrie belebt, vermag aus den Wanderer durch jenesunverkennbare, überall durchblickende Gepräge der Reinlichkeit unvNettigkeit einen heiteren, zum Voraus für die Inwohner cinneh-