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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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richteten Zeichnenschnle sprachen sie mit Geringschätzung *). Wersie nicht im Kopfe habe, meinten sie, werde ihre Kunst nie lernen.So haben es ihre Eltern schon gemacht, und sie machen es ebenso,und die Jungen, die jetzt zeichnen lernten, machen es auch nichtbesser. Sie erzäbltcn uns, daß der Erste, welcher die Schnitzereiim Thalc übte, Johann dc Mcp war, wohnhaft zu Schuant, unweitSt. Ulrich, des Hauptortes im Thal. Er kam im Jahre 1703 aufden Einfall, Bilderrahmcn aus dem Holze der Zirbelnußkicfer zuschneiden, die, obgleich einfach und plump gearbeitet, dennoch Ab-nehmer fanden. Die Bruder Martin und Dominik Dinazer sahensogleich, daß hieraus dein armen Thale, wo Waizcn und Haidekorn,der hohen Lage wegen, nicht mehr gedeihen, und der Roggen zumUnterhalt nicht hinreicht, ein reicher Erwerbsguell entspringen könne.Das Zirbelholz, welches, weich und fertig, sich so leicht formen läßt,war in großem Ueberflusse an den Berghalden verbreitet; mit eini-gem Scharfsinn und natürlicher Kunstfertigkeit begabt, versuchten siedie ersten Figuren. Es gelang, und sie fanden viele Nachahmer.Hierbei blieben sie jedoch nicht stehen, sondern gingen nach Venedig,um Unterricht zu nehmen. Auf ihre Landsleute wirkte ihr Beispielmächtiger; bald wollte das ganze Thal in nichts als in Holz schnitzen.Mit der neuen Thätigkeit erwachte ein neuer Geist der Industrieund Spekulation, der fast in jedem Thale von Tvrol schlummertund nur auf den günstigen Augenblick wartet, sich thätig zu regen.

„Während die Weiber daheim schnitzten, zogen die Männer aufHandelschaft aus. Dies Thal hat überdies noch die besondere Ei-genheit, mitten in Deutschland eine Sprache zu besitzen, welche auSfranzösischen, spanischen, italienischen und deutschen Wörtern zusam-mengesetzt zu sein scheint. Dieses erleichtert ihnen den Verkehr un-ter fremden Nationen. Sie debntcn ihre Züge weit aus, über Eu-ropa hinaus nach fremden Erdtheilcn sogar. Die ehrlichen naivenNaturmenschen mit ihrer freundlichen Waare, den lieben Kinderneben so willkommen, als den liebenden Eltern, setzten schnell undviel ab, unv das Gelv mehrte sich in ihren Kasten. Der lebendigste,unausgesetzteste Fleiß mußte sich in Gröden rühren, um den Bedarf

Daß diese Geringschätzung hier nicht an ihrem Platze ist, haben wirbereits gesehen lind werden es noch mehr gewahr werden.

Anm. des Vers.