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Gebirgsländchen ist Eine große Werkstätte; man stößt in Dörfern,Märkten und auf öffentlichen Straßen auf Weiber, welche zu gleicherZeit drei verschiedene Geschäfte verrichten, das Vieh vor sich Her-treiben, Lasten auf dem Kopfe tragen und dabei noch stricken, wäh-rend ihre Männer, die fast nie die engen Grenzen ihrer Gebirgs-heimath überschreiten, jene Kunstwerke aus Holz, Knochen und Elfen-bein zu Tage fördern, lauter Waaren, die durchschnittlich Bcrcbteö-gaden einen Reinertrag von wenigstens neunzig Prozent, nach Abzugder verhältnißmäßig äußerst geringen Auslagen verschafften. Manvernimmt mit höchstem Erstaunen, daß ein einziger Bauer 20,000Schachteln mittelst einer mechanischen Vorrichtung, welche er sich selbsterdacht, in Einer Woche zu Tage fördern kann, daß gar mancheFamilie, da Weiber, Kinder und Greise den thätigsten Antheil ander Arbeit nehmen, sich wöchentlich 8 bis 10 Gulden verdient —und doch diese drückende Armuth, während in jenem Tyroler Thäl-chen, in jenem Oberammergau, bei sicherlich nicht größerem Fleiße,so äußerst erfreuliche Wohlhabenheit, die behaglichste Zufriedenheit,in jede eben so nette als buntgeschmücktc Bauernhüttc eingedrungenist. Hier immer noch die zahlreiche, lästige, demoralisirte und demo-ralisircnde Bcttlerschaar, während dort nicht Einer die Mildthätigkeiteines Andern anzusprechen sich erniedrigt, auch seine wohlhäbigcn Ver-hältnisse ihn nicht entfernt hierzu einladen. „Woher kommt dies?"(höre ich manchen äußern) „also ist doch bei der Einführung dieserreichen Erwerbsquelle noch ein gleich trauriger Zustand möglich,dann mag unser Odenwälder und Vogelsberger lieber »nissig wieseither so viele seiner Stunden verbringen als so nichts lohnend sichanstrengen und abarbeiten.
Man sollte denken, daß auch in Berchtesgadcn, wo der Anblicksolch' rastlos regen Bienenfleißes ganz unwillkührlich das reichemannigfaltige Bild des Segens in der Seele erregt, man ebenso,wie in jenem Thale Tyrols, oder Neufchatels die schöne heilbrin-gende Göttin mit dem Füllhorn finden müsse, statt dessen Dürftig-keit als das fast allgemeine Loos jener thätigen Gebirgsbewohner.Sollte man daher nicht weit eher von der Einbürgerung dieses soviele Hände beschäftigenden Industriezweiges ab- als zuratben?Nein, nie und nimmermehr. Die Hauptguellen dieser Dürf-tigkeit — die Ursache liegt hier, wie so manchmal, offener uns vor,als man denkt, und denen, welche sie nicht hierin finden, gehet es,