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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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254
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Wie hierin aufs Wohlthätigste unsere geschickten Kaminmacherund Gürtler wirken können, so in ähnlicher Weise unsere trefflichenDreher und Beinschneidcr; unser Braun, Wagner, Egner und wiesie Alle heißen, durch allmälige Belehrung und praktische Heranbil-dung einer möglichst großen Anzahl hierzu Geschick zeigender jungerLeute in der Fabrikation von Kindcrspielwaarcn (der sog. Bimblot-tcrie), mit welcher in neuerer Zeit Paris in schöner, den rein-sten, geläutert sten Geschmack bekundender Waare in Europaund den überseeischen Ländern in kaum glaublicher Steigerung sichdes wünschenswcrthcsten und lohnendsten Absatzes erfreut und jähr-lich mehr die Oberhand über die vielfach immer noch geschmacklosenund veralteten Erzeugnisse Nürnbergs gewinnt. Nur durch Unter-lassen des rastlosen Strebens, stets mit Rücksichtsnahme aus den je-weiligen Geschmack und Mode, nach dem Besten und Vorzüglichstenkonnte dieser sonst so lohnende Industriezweig in dieser durch Ge-wcrböfleiß von jeher sich auszeichnenden Reichsstadt, (bekanntlich derVaterstadt Peter Fischers, Adam Krafts, des Hans Sachs und Al-brecht Dürers,) wo so mancherlei Erfindungen: z. B. der Steckna-deln mit dem Knopfe, der Pcdalharfe, Klarinette und der Taschen-uhren (die ja anfänglich Nürnberger Eier hießen und im Jahr 1500von Peter Hole erfunden wurden) zum Heil und zur Annehmlichkeit

noch bestanden, sie wären sich und ihren Mitbrüdern zur Last gefallen,einzig und allein, weil dieses die Aussicht ihnen benommen hätte, sichdurch ein anderes Gewerbe zu ernähren, so aber warfen sich die Kamm-macher, sobald sie die Abnahme des Absatzes ihres Produktes bemerk-ten (gerade wie cS obige Crefelder Seidenfabrikanten bei ihrer In-dustrie thaten) ohne Zaudern auf die Dein- und Perlmutterdreherei;die Verfertigung der beinernen und Perlmutterknvpfe kam in Ausnahmeund es vermögen die vorhandenen Hände, trotz aller Emsigkeit derNachfrage zu keiner Zeit mehr vollkommen Genüge zu leisten. NichtEin Kammarbeiter hatte auch nur Einmal die Mildthätigkeit Dritterin Anspruch zu nehme», Ursache gehabt. Zn demselben Ort hattendie Frauen und Mädchen bis vor wenig Jahren Seidenknöpfe mit derNadel gefertigt, wie sie in ihrer Nachbarschaft »och jetzt gefertigt wer-den und hierbei nur oirea l6 kr. täglich verdient. Als sie jedoch sahen,daß eine Arbeiterin mit Drehen von jenen Knöpfen weit mehr erwerbe,verließen sie jenen Gewerbszweig und widmeten sich dem Drehcrhand-werk und verdienen hierbei fast das Dreifache, über 40 Kreuzer denTag ohne Unterbrechung während des ganzen Jahres.