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der Menschheit zuerst an's Tageslicht traten, in dem Grad in Rück-gang kommen.
Aber nicht bloß die Dreher, Gürtler und Kamminacher, auchunsere Schreiner und Ebenisten, von welchen viele in ihrer Gcschick-lichkeit die Konkurrenz von nur höchst wenigen auswärtigen wohl zuscheuen haben, namentlich diejenigen, welche zu Paris einen Theilihrer Wandcrzcit verlebten, können sich um das Wohl einer Mengeunserer hessischen Mitbrüder sehr verdient machen. Die Verfertigungjener Unzahl kleiner, feiner, neuerdings in der Regel eingelegterTischlcrwaaren bildet nämlich dort unter dem Namen Ebenisterieund Marquctcrie zwei der bedeutendsten Gewerbe, und nach al-len Ländern werden Necessaires für Schreibtische und für Damen-Arbcitstischc, solche Tischchen selbst, Arbcitskörbchcn, Toilette- undNasirzeug-, Thee-, Ligucur-, Handschuh-, Uhr- und Sparkästchcn,Chatoullcn, Bricfbehälter, Nadelkissen w. ausgeführt, ein an sichlohnender Industriezweig, der überdies bei uns noch für die Verfer-tigung zinncner und blcchcrner Theebüchsen einen ansehnlichen Absatzgewähren würde. Hat einmal bei uns ein thätiges Erwerbslebenin gewissen Zweigen einen cmpsänglichcn Boden gefunden, ist aufdiese Weise durch das beste Mittel einer guten Erziehung und prak-tischen Heranbildung dem überall verbreiteten Uebel des Armenthumsan die Wurzel gegangen worden, so wuchert diese segensreiche Saatweiter und weiter, und das evangelische Schrichwort: „wer hat, demwird gegeben" wird sich bei uns schon in nächster Zukunft, begin-nen wir nur keck und vertrauensvoll ein sicheres Fundament zu legen,zum Heil unsers Vaterlandes aufs Wohlthätigste bewähren. Und
sollen wir Hessen am Gelingen verzweifeln, da wir nicht einmal das
Schwerste zu unternehmen mehr brauche», es hat sich ja bei uns
schon das Gebäude aus dem Boden erhoben, nur nicht verzagt, es
wird sich schon von allen Seiten Weiteres und Neues wuchcrlich Loh-nendes anschließen. Haben wir nicht bereits recht geschickte Kamm-fabrikanten, deren Einzelne ihr Geschäft mit ihrem spekulativen prak-tischen Sinn höchst erfreulich auszudehnen wußten, haben wir nichtdie geschicktesten Dreher, die selbst nach Petersburg ihren großartigeneinträglichen Verschleiß haben, haben wir nicht Portefeuille- undEtuisfabrikanten zu Offenbach, die in reichlichster Auswahl die ge-schmackvollsten Holzgalanterie-Arbeitcn liefern, die bereits als „Offen-bacher Waare" einen solchen Ruf in allen Welttheilcn unserer Erde