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erlangt und selbst die Konkurrenz der Pariser nicht zu scheuen haben,sehen wir nicht in unserm Mainz Aehnlichcs in dessen (von unsermNößlcr ausführlich beschriebene) Möbelsabrikation, die hier zu solch'üppiger, gesunder Blüthe wie vielleicht sonst nirgendswo gedeiht?Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts, zur Zeit der französischenOberherrschaft ließ man sehr viele Möbel von Paris nach Mainzkommen und jetzt geben von hier die großartigsten Lieferungen inalle Gegenden Deutschlands, Belgiens, Hollands und Englands.Ganze Schiffsladungen voll Mcubeln werden nach London gesandtzum Verkaufe an das englische Publikum, während von PariserMöbeln ihres hohen Preises wegen nur wenige nach London ver-schickt werden. Unschwer ist es, nachzuweisen, wie die überseeischeAusfuhr französischer Möbel der englischen, deutschen rc., trotz desEinflusses der Pariser Moden, um ein Erklckliches nachsteht. Alsfür uns Hessen doppelt interessanter Beleg der Wahrheit der Be-hauptung, daß deutsche Meubelsabrikantcn bei gleichem Geschickund gleichem Geschmack jederzeit ihrer wohlfeileren Erzeugungs-kostcn wegen, namentlich vermöge der billigeren Lebensweise die Kon-kurrenz der französischen erfolg- und siegreich bestehen können, magdie Thatsache noch angeführt werden, daß man bei Kleinhändlern indem Paris doch jetzt so nahe gelegenen Havre kleine feinere Maha-gonimöbcl, eben wie jene Necessaires, Toilcttcnkästchcn w. vorfindenkann, welche diese französischen Händler für ihren örtlichen Absatz inHavre keineswegs von den durch die Eisenbahn kaum 4 Stundenentfernten pariser oder andern französischen Tischlern, sondern ausMagazinen von unsern deutschen Mainzer Möbeln zuRotterdam, somit aus zweiter Hand, mittelst der Rotterdamer Ha-vre-Dampfbootc beziehen, und welche sie, trotz der französischen Ein-fuhrzölle von 17'/- Proccnt des Werthes und aller Zwischenkostenzwischen Mainz und Havre, trotz des 4 —5fach weiteren Wegsnoch wohlfeiler zu stehen kommen, als von Pariser oder sonstigenfranzösischen Tischlern. Bedarf es zur Aufmunterung der noch wei-teren Ausführungen noch der Erwähnung der Thatsache, daß dergrößere Theil der geschicktesten Meister und Arbeiter im Fache derTischlerei, sowohl der gewöhnlichen, als der feinen (eben jener Ebe-nisterie und Marquetcric) zu Paris Deutsche sind? Auch unsereMöbelsabrikation in der Provinz Starkenburg hat, selbst außerOffenbach, sehr an Bedeutung zugenommen und es gereicht mir zur