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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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tatur in Besitz, Herz und Sinn gefangen genommen, die Wunde liegtjedem offenkundig dar, laßt sie uns auf die Dauer heilen, laßt unszum nachzuahmenden Vorbilde die nie fehlende Mutter Natur nehmen,die in jedem Bienenstöcke, in jedem Ameisenhaufen den Menschendas Beispiel der Vorrathsaufspeichcrung gegeben. Auch wir wollenVorräthe aufspeichern, vor Allem gehörigen Sinn zu rastlos specu-lativer Thätigkeit, Gelegenheiten zu lohnendem dauernden Verdienst,der geeignet ist, 'selbst solche Zeiten der Noth in wenigstens minderschlimmer Gestalt an uns vorübergehen zu lassen.

Laßt uns stützend auf alle die moralischen und materiellen Ele-mente, welcher unser Volksthum darbietet, mannhaft einen behaglichenZustand erstreben, der von andern Völkerschaften schon längst erreichtund für die Dauer unsers Volkswohls zur Uncntbehrlichkeit gewor-den ist.

Ehe ich diesen größeren Abschnitt bezüglich der Eröffnungder Erwerbsquellen, welche durch die Verarbeitung des Holzes, Beins,Elfenbeins und anderer ähnlicher Rohstoffe unsern Hessen in wenigenJahren so reichlich und befruchtend fließen können, verlasse, muß ichnoch eines Umstandeö gedenken, der gerade hier von nicht zu über-sehender Wichtigkeit ist und sich auf das Urtheil eines sehr tüchtigenSachkundigen bezieht. Der Odenwälder wie es in dieser Be-ziehung in Obcrhessen sich verhält, darüber fehlen mir zuverlässigeNotizen hat durchaus keinen Mangel an gutem Willen, sich aufredliche Weise zu ernähren, nicht Trägheit und Arbeitsscheu sind dieUrsachen an den so häufig werdenden Klagen über Mangel an zu-reichenden Verdiensten, aber dieser gute Wille zeigt sich leider zu ein-seitig, denn es fehlt ihnen an häuslicher Gcwcrbsthätigkeit, anSinn hierfür. Jenes oben schon erwähnte rücksichtslose Kleben anGewohnheiten und Hergebrachtem, welches selbst an böswillige, eigen-sinnige Verstocktheit grenzt, erschwert die Einbürgerung von Erwerbs-zweigen, welche durch eine solche Thätigkeit bedingt ist, in ihren ge-birgigen Thälern ganz außerordentlich. So sehr unsere Odenwälderbei der Hand sind, sobald es gilt, in Gottes freier Natur mit Aler-ten, Hacken, Schippen, Bickcln, Brecheisen, Sensen, Dreschflegelnund dergleichen Werkzeugen mehr in Feld, Wald und Scheuer zuoperiren, ebenso sehr zeigen sie Abneigung gegen Arbeit in den Stu-ben, wo Nadel und Faden, Schnitzmesscr, Feilen, Hobeln und der-gleichen feinere Werkzeuge mehr angewandt werden müssen.