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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Zwanzigster Abschnitt.

Flechte» mit Stroh, Weiden, Muster »nd Wurzeln. — Fertigung von Stroh-hute» und -Matte», Feucrciincru, Strohtaschcu, Tischdecken, Untcrsechtcller»,Cigarrentcischchen, Arbcitskörbcheu, Stuhle», Sophas, Blumen- und an-der» Tischen, Fußbänken, Epheu-Gittcr», Ofen- und Bcttschirmen.

„Wir könnten viel, wenn wir zusammenstunden."

„Männlich ziemtS dem deutschen Mann zu tragen,

Was des Schicksals Hand ihm auferlegt,

Nicht entstellen darf ihn feiges Zagen,

Wenn des Unglücks schwarze Stunde schlägt."

Der Fabrikation des Strohflcchtens, sowie überhaupt der nunfolgenden Erwerbszweige geschieht in Mohls Denkschrift mit Aus-nahme der Wollvcrarbeüung gar keiner, oder nur sehr vorüberge-hender Erwähnung. Die erstere vermag wenigstens eben so vieleHände als einer der seither genannten Industriezweige zu beschäf-tigen, ihnen reichlichen Lohn zu verschaffen und verdient um so mehrzur allgemeinen Einbürgerung in unserer Mitte anempfohlen zu wer-den, als bei ihr ein Betriebskapital fast gar nicht nothwendig ist, dader Rohstoff — eine Varietät unsers gewöhnlichen gebrannten weißenSommerweizens — mit der größten Leichtigkeit erworben werden kann.Wir kennen schon die Fertigung der Strohhüte von Dresdens Um-gebung, von Tyrol und dem badischcn Schwarzwald her. In letz-terer Waldgegend werden mitunter sehr feine Geflechte aus Roggen-stroh hergestellt, welches man 8 bis 10 Tage nach dem Abblühendes Getreides mit der Sichel abschneidet. Es erhält diese Stroh-hutfertigung hier Jung und Alt in der größten Thätigkeit vonMorgens frühe bis Abends spät zum großen Heil ihres materiellenWohlstandes und ohne alle Bcnachtheiligung ihrer Gesundheit, na-mentlich auf dem Wege von Furtwangcn bis Neustadt, wo du selbstnicht einmal ein Kind niüssig sehen kannst.

Doch all' diese genannten Gegenden lieferten vor zwei Jahr-zehnten nur einen höchst geringen Theil des Bedarfs für ganzDeutschland, zumal an feinerer Waare. Diese erhielten wir großen-teils damals noch aus Belgien, der Schweiz und Italien, und diedeutschen Verkäufer waren nur Händler. Wohl cilf Zwölftbeile desArbeiterverdienstes, der durch diese Strohhut- und Strohgcflecht-Fa-brtkation erzielt werden konnte, entging dem inländischen Verkehr