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unsers Landes mit Erfolg einzuführen. Er hat zu diesem Zweckmehr oder weniger bedeutende Geldunterftützungci: zum Anlernen vonLehrerinnen und zu Belohnungen für die vorzüglichsten Schülerinnengespendet. So finden wir jetzt das Strohhntflcchten außer in derGegend von Gedcrn auch in den Orten Hartmannshaüi, Battcnfeldund Nimhorn eingebürgert. In letzterem Pfarrdorfc unsers Oden-waldeö erwarb sich der dasige Pfarrer, Herr Haupt, der wohl beiseinem langjährigen Aufenthalte in der Schweiz vielfache Gelegenheithatte, den hohen Werth derartiger GewerbsnahrungSgucllen persön-lich kennen zu lernen, unstreitig die meisten Verdienste. Die Wir-kung der Einführung solcher neuen Erwerbsquellen zeigte sich in denherben Tagen dieses langen Winters wohl nirgends schlagender, alsgerade in diesem Rimhorn, wo dermalen schon 15 Familien aus-schließlich, außer den übrigen als Nebenbeschäftigung cS betreibenden,von diesen: Strohflechtcn sich ernähren und einerseits keiner diesemOrte Angehöriger, nach sorgfältig eingezogenen Erkundigungen, da-hicr in Darmftadt auf dem Bettel betroffen wurde, andererseits geradediese Gemeinde unter den sämmtlichen gleich armen Ortschaften derbeiden Landrathsbezirke im Odcnwalde meines Wissens, die einzigewar, die auch nicht Einmal als solche die Hülfe des Staats, nochseiner Standcsherrn in Anspruch zu nehmen sich genöthigt sah.
Möchten viele, recht viele Geistliche, Beamten und Schullehrerunseres Hessens, sowie auch Ortsvorstandsmitglieder diesen: HerrnHaupt und jenem Herrn Eduard Davidsobn auf's gemeinnützigstenacheifern, und ein beneidenswertstes Bewußtsein, Gutes gewirkt,Vielen gesunden lohnenden Verdienst erworben zu haben, wird reich-lich solche Ehrenmänner für ihre etwaigen Mühen und Opfer ent-schädigen. Daß, ob dieser Opfer aber nirgendswo in unserm Groß-hcrzogthnm diese Einführung unterbleibe, dafür mag der in's Lebentretende Hülfsvercin sorgen und den von: Staat gegründeten Ge-werbsvercin auf's Kräftigste auch hierin mit Mitteln unterstützen,seine woblwollendcn praktischen Absichten möglichst bald, für möglichstViele heilbringend in's Leben treten zu lassen.
Diese Fabrikation von feineren Strobhütcn erfordert zu eiucreinigermaßen ausgedehnten Ausbreitung gleichfalls der Vermittlungvon Großhandlungen. Wenn auch die bereits bestehende Fabrikationihren Anknüpfungspunkt in Gebern festhalten muß, so werden es dochnur Handelshäuser von Mainz, Offenbach oder Darmstadt sein kön-